Wetterwissen #35 : „Sferics – die Migräne der Regen- und Gewitterwolken…“

Unsere Serie: „Schon gewusst?! Wetterwissen - Teil 35“

Thema: „Sferics – die Migräne der Regen- und Gewitterwolken…“
 
Letztes Mal haben wir uns im Newsletter mit dem spannungsgeladenen und allzeit faszinierenden, bei manchem sogar furchteinflößenden Phänomen der Blitze befasst. Doch es gibt noch ein in der breiten Öffentlichkeit weitgehend unbekanntes, unterschätztes und selbst von der einschlägigen Naturwissenschaft umstrittenes Vorläufer-Phänomen bei der ganzen Angelegenheit: die so genannten „Sferics“! Daher an dieser Stelle ein kleine Reise in die Welt der Atmosphären-Physik.
 
Unter Sferics (Kurzform für englisch: atmosferics) versteht man per Definition grob gesagt: „…das impulshafte Auftreten elektromagnetischer Wellen natürlichen Ursprungs innerhalb der wetterzuständigen unteren Atmosphäre (Troposphäre).“ Die Frequenzen liegen zwischen 3 und 100 kHz, die Amplituden beim bis zu 1000fachen normaler Radiostrahlung. Hauptquellen für Sferics sind Gewitter, deren Blitzaktivitäten elektromagnetische Felder erzeugen, sowie luftelektrische Schwankungen, die durch die Bewegung und Reibung großer Luftmassen ausgelöst werden. Da es sich bei den verursachenden Blitzen oft um nicht sichtbare Dunkelfeldentladungen handelt, werden die Sferics fälschlicherweise oft auch als Dunkelblitze bezeichnet.
 
Diagramm zu Sfericsaktivitäten im August 2005 in Siegen:

Quelle: http://www.sfericsempfang.de
 
Kurioser Weise ist diese atmosphärische Erscheinung gerade im deutschen Sprachraum längst – sprich: seit über 100 Jahren bekannt. Unter Sferics (Kurzform für englisch: atmosferics) versteht man per Definition grob gesagt: „…das impulshafte Auftreten elektromagnetischer Wellen natürlichen Ursprungs innerhalb der Erdatmosphäre.“
 
Entdeckt wurden die Sferics bereits zu Beginn des 20. Jahrhunderts, als man die Ursache von Störungen - Knistern und Knacken - in Radioempfängern untersuchte. Diese Effekte wurden sogar während des ersten Weltkriegs zu militärischen Zwecken genutzt, um sich strategische Vorteile mit mehr Wissen über die Wetterentwicklung zu verschaffen. Erst zu Beginn der 1980er Jahre wurde aber mehr oder weniger durch zufällige Beobachtungen gezielte Untersuchungen der Sferics und ihrer Wirkungen unternommen.
 
Die Aktivitäten von Sferics werden in der Meteorologie zur Wettervorhersage herangezogen. So existieren alleine in Bayern mittlerweile mehr als 100 Messstationen für Sferics. Mit Hilfe ihrer Daten konnten die Wetterprognosen wesentlich verfeinert werden. Allerdings sind Sferics nach wie vor unter den Atmosphärenphysikern, Meteorologen und Medizin-Meteorologen (Stichwort Biowetter) nach wie vor umstritten, wenn nicht gar ein Reizthema. Warum?!
 
Diagramm zu Wolkenentladungen:

Quelle: http://www.sfericsempfang.de
 
Man kann bis heute nur schwerlich direkt Korrelationen zwischen der Art, Andauer und Intensität dieser Impulse und einer verlässlicheren Prognose über Intensivierung oder Abschwächung von Wolken-, Niederschlags- oder Gewitterfronten ableiten. Zu Deutsch: man weiß zwar, dass es diese Blitzvorläufer gibt, kann sie messen und exakt orten – aber was sie für Botschaften aus den Wolken mit sich bringen, ist leider nicht immer in gleicher Weise zu deuten.
 
Dennoch gibt es einen Bereich, der nahezu uns alle direkt und teilweise massiv im Alltag betrifft: die Wetterfühligkeit unseres Organismus. Besonders gebeutelt werden gestresste, ältere und mit Operationsnarben versehene Personen. Die Aussage: „Meine Narbe zwickt – es kommt bald Regen/Schnee..!“ hat also durchaus Hand und Fuß. Nur gibt es keine für jeden gültige Interpretation, wann welches Zwicken mit wie viel Vorlaufzeit bestimmte Wettererscheinungen nach sich ziehen. Da ist so zusagen jeder Einzelne sein eigenes Barometer!
 
Diagramm zu Sferics-Tagesgang bei hoher Gewitteraktivität im Juli 2005 in Siegen:

Quelle: http://www.sfericsempfang.de
 
Hintergrund von wetterbedingten körperlichen Belastungen sind aber unter anderem just jene Sferics. Da unser Körper durch und durch von elektromagnetischen Strömen und Impulsen durchsetzt und gesteuert ist – man denke nur an den Herzschlag! – darf es nicht verwundern, dass auch externe Impulse ihre Wirkung haben. Und dies natürlich besonders, wenn der Organismus angeschlagen ist. Das kann neben Narbenschmerzen und Gereiztheit bis hin zu Kopfweh, Migräne, Konzentrationsschwäche reichen und sogar zu Problemen bei der Herstellung von bestimmten chemischen Reaktionen für Produktoberflächen führen.
 
Kurzum: oft sind es gerade die unsichtbaren Dinge unserer Welt, die mehr Einfluss auf unser Befinden und Tun haben, als wir wahr haben wollen – und wenn es jene Sferics sind. Und wenn s bei Ihnen das nächste Mal blitzt und donnert, können Sie sicher sein – längst vorher waren bereits Sferics am Weg – und das bis mittenrein in Ihr Inneres…
 
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