Wetterwissen #27 Nix wie schön?! Vom Irrglauben der Sonnenanbeter und dem Trockenheitsproblem

Thema: Nix wie schön?! Vom Irrglauben der Sonnenanbeter und dem Trockenheitsproblem
 
Rein klimastatistisch liest sich die Bilanz für den Spätwinter und bisherigen Frühling in und um Deutschland für viele Regionen großartig. Viel Wärmeangebot und enormer Sonnenschein-Überschuss! Doch wie steht es um den Niederschlag?! Und da sieht es jenseits aller Schönwetter-Hysterie diverser Branchen für weite Teile deutscher Landwirtschaftsflächen besorgniserregend bis dramatisch aus!
 
Schauen wir uns das mal genauer an:
Der Februar brachte zumindest regional ausreichende Wasserversorgung von oben – im bundesweiten Durchschnitt kamen aber nur ca. 65% des Solls zusammen. Im März waren es im Flächenmittel schon nur noch rund 36%. Nicht eingerechnet sind hier die teils extremen Verdunstungsraten (Evaporation) für eine Phase, in der selbst im Maximalfall kaum 12 Stunden Sonnenschein möglich sind! Zudem war es deutlich zu mild und vielerorts tageweise ausgesprochen windig, was die Austrocknung der brach liegenden Ackerflächen noch zusätzlich förderte.
 
Zum „Glück“ lagen die Verdunstungsraten der Pflanzen – ob auf Ackerflächen, Wiesen, von Bäumen (außer immergrüne Arten/Nadelhölzer) oder Sträuchern vor Austrieb zunächst noch recht niedrig ; sonst müsste man die so genannte Transpiration, also die aktive bodenwasser-entziehende Verdunstung über die Stomata der Blätter noch draufschlagen.
 
Fast nahtlos setzte der sonst so launische April diesen Witterungscharakter in Mitteleuropa fort. Kein Wunder also, wenn schon nach gut zwei Dritteln des Monats die Zwischenbilanz lautet:
Etwa 3 bis 4,5 Grad zu warm, ausnahmslos schon über 100% des Solls an Sonnenscheinstunden, zwischen Mainfranken und Bodenseeraum zum Teil bereits über 150%! Und in puncto Niederschlag in vielen Regionen nur um 30%, um die Maingegend, im Saarland und teils in Niedersachsen kaum über 13%.
 
Niederschlagssummen in Deutschland
Bildquelle: www.bernd-hussing.de

 
Macht beim Aufaddieren der Defizite: Februar ein Drittel, März zwei Drittel und April ebenso bisher zwei Drittel. Es kommen also im für die Vegetationsentwicklung prägenden Frühlingsabschnitt mit eingerechneter Bodenwasserversorgung aus dem Winter keine 50% zusammen – und das nahezu quer durch Deutschland!
 
Auf die mögliche Frage, ob dies nur ein Ausreißer in der zappelnden Klimakurve unserer Breitengrade sei, hier noch ein vergleichender Rückblick:
 
Die drei wärmsten April-Monate seit 1901 im Deutschen Flächenmittel (DWD) waren:
1.: 2009 mit 11,8 °C (+4,4 K / Abweichung vom Mittel 1961-90 = 7,4 °C)
2.: 2007 mit 11,5 °C (+4,1 K)
3.: 1961 mit 10,6 °C (+3,2 K)
 
2007 bleibt somit im Deutschland-Mittel der mit Abstand trockenste April seit 1901. Der 2011er kann da nicht mithalten. Am Oberrhein gab es im April 2007 große Bereiche mit 0 mm Niederschlag. Allerdings: Der Frühling 2007 war durch den feucht-warmen Mai trotzdem leicht überdurchschnittlich nass. Die trockensten Frühlinge seit 1901 waren übrigens laut wzforum.de 1929 und 1956.
 
Erwähnt sei noch ein folgenschwerer Seitenaspekt der anhaltenden Trockenheit: die massiv und großflächig erhöhte Waldbrandgefahr! Sie lag über Ostern laut Beobachtung und spezieller Index-Skala verbreitet auf der zweithöchsten, in Nordostdeutschland mit ausgedehnten Kiefernwäldern sogar auf der höchsten Warnstufe 5! Wie deutlich entspannend sich bereits häufigere Schauer auswirken, zeigt die Gegenüberstellung der beiden Flächenkarten für den 26. Und 29.04.!
 
Zwei Vergleichskarten zum Waldbrandgefahren-Index; Quelle: www.wettergefahren.de (DWD)
26.04.2011

 
29.04.2011

 
Ob sich allerdings längerfristig am chronisch defizitären Regennachschub bei Ihnen vor Ort etwas Wesentliches ändert, bleibt an dieser Stelle pauschal schwer zu beantworten. Lesen Sie dazu den obigen Artikel mit einer Einschätzung des weiteren Wettertrends bis Ende der ersten Maidekade. Oder gehen Sie am besten fortlaufend per Click auf unsere Service-Seiten unter www.mr-wetter.de!

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