Wetterwissen #26 Von wegen Silberstreif am Horizont – Kondensstreifen beeinflussen unser Klima!

Unsere Serie: „Schon gewusst?! Wetterwissen - Teil 26“

Thema: Von wegen Silberstreif am Horizont – Kondensstreifen beeinflussen unser Klima!
 
Irgendwie ahnte man es ja doch: zu Zeiten der Aschewolke im März 2010 vom isländischen Vulkan mit dem unaussprechlichen Namen konnten wir mitten in Schönwetterhochs tatsächlich mal gänzlich stahlblauen Himmel ohne weiße Streifen erleben! Diese so genannten Kondensstreifen entstehen in 8 bis 10 Kilometern Höhe. Und weil auf dieser Welt keine Ursache ohne Wirkung bleibt, überraschen auch die Ergebnisse von Klimaforschern der Deutschen Luft- und Raumfahrt DLR nach 20 Jahren Forschung nur bedingt: Von Flugzeugen verursachte Kondensstreifen tragen zur Erwärmung der Erde bei.
 
Wer ein Auge für physikalische Phänomene in der Natur hat, wird es längst selbst beobachtet haben. In feucht-kalter Winterluft entsteht in der Nähe von Auspuffgasen deutlich schneller und intensiver Kondensationsnebel (manche sagen auch: „Hauche“). Ähnliches gilt für die Abgase von Düsenjets: Sie erzeugen zusätzliche Wolken, die sich auf den Strahlungshaushalt der Erde auswirken. Damit beeinflussen sie unser Klima auf zweierlei Art und Weise.
 
Erstens wärmen sie die Atmosphäre, da ihre Eiskristalle die so genannte langwellige Wärmestrahlung der Erde absorbieren. Das macht den bekannten Treibhauseffekt aus. Zum anderen führen sie aber auch zur Abkühlung unseres Planeten, weil die weißliche Bewölkung die Strahlung der Sonne reflektiert. Diese beiden Effekte heben sich zwar teilweise auf, doch gehen die Klimatologen nach bisherigem Kenntnisstand davon aus, dass Kondensstreifen die Erdatmosphäre aufheizen.
 

Bildquelle: www.wikipedia.org
 
Kondensstreifen können sich im Extremfall zum Teil über 17 Stunden lang halten. Dabei verändern sie ihre Form und werden mit dem Wind in andere Gebiete transportiert. Manche entwickeln sich zu Wolkenbänken von enormer Ausdehnung und sind von natürlichen Eiswolken nicht mehr zu unterscheiden und wurden daher lange in ihrer Klimawirkung unterschätzt.
 
Laut der neuesten DLR-Studie bedecken Kondensstreifen-Schleierwolken (Cirren) im globalen Mittel etwa 0,6 Prozent des Himmels – zumeist auf der Nordhemisphäre. Hier ballt sich der Flugverkehr besonders über Westeuropa, den USA und dem Nordatlantik zusammen. Damit machen sie etwa die Hälfte der Klimawirkung des Luftverkehrs aus. Flugzeuge sollen laut dem Weltklimarat IPCC für ungefähr fünf Prozent der gesamten vom Menschen verursachten Erderwärmung verantwortlich sein. Im Gegensatz zu Kondensstreifenwolken können Treibhausgase allerdings über mehrere Jahre in der Atmosphäre bleiben, wo sie sich im Laufe der Zeit ansammeln.
 
Es kursiert mittlerweile eine ganze Reihe von Ideen, wie man diesem Problem Herr werden könnte – immer mit Vor- und Nachtteilen; bis hin zu Routen-Umwegen über trockene Wüstenregionen. Dies würde aber mit höheren Emission von Treibhausgasen teuer erkauft. Mehr Erfolg versprechen daher technische Lösungen: Ließe sich der Ausstoß von Rußpartikeln und Wasserdampf reduzieren – etwa durch veränderte Antriebssysteme der Flugzeuge –, könnte man vielleicht Ausdehnung und Lebensdauer der künstlichen Wolken verringern.
Die beste Lösung jedoch ist, zu überlegen, ob es wirklich Urlaubsreisen um den halben Erdball braucht. Denn jeder nicht erfolgte Flug ist ein Plus für die saubere Erdatmosphäre…

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