|
|
|
Thema: Von der Flaute bis zum Orkan – warum so viel Wind um den Wind gemacht wird Sie kennen sicher alle Redewendungen wie zum Beispiel: „Der wirbelt ganz schön Staub auf!“, „Viel Wind um nichts…“ oder „Die Flaute hält an.“ Kurioser weise ist dafür ein Phänomen in unserer unmittelbaren Umgebung verantwortlich, das man nur dadurch sehen kann, dass es sich an festen oder flüssigen Gegenständen auswirkt: der Wind! Seit Menschengedenken ist die so genannte Luftbewegung Fluch und Segen für alles, was auf diesem Globus existiert. Mal bringt sie durch großräumige Strömungen die Warm-Kalt-Gegensätze über den Kontinenten und Meeren zum Ausgleich; mal transportiert sie existenzielle Wolken samt Niederschlägen über hunderte Kilometer. Dann holt sie verheerende Stürme mit sintflutartigem Regen oder Dürre bringende Wüstenluft von A nach B! Letzten Endes ist der Wind – vom kaum spürbaren Windhauch bis zum Mega-Orkan „Kathrina“ – nichts anderes als die dreidimensionale Fortbewegung des Gasgemisches namens „Luft“. Früher, als man noch keine präzisen Messinstrumente hatte, versuchten findige Köpfe im 18 Jahrhundert die Windstärken zu kategorisieren. So beschrieb sie der Ingenieur John Smeaton erstmals 1759 durch ihren Effekt auf Windmühlenflügel. Seine veröffentlichte Tabelle enthielt elf Windstärken (Windstille nicht mitgezählt), jede Windstärke beschrieb er durch ihre Wirkung auf die Umgebung, etwa dass ein Orkan Bäume ausreiße und Gebäude zerstöre. Dazu gab er jeweils die Windgeschwindigkeit und den Winddruck an. Sir Francis Beaufort
 Diese Skalen wurden immer weiter verfeinert, vor allem für die Seefahrt. Bis heute gibt es die nach Sir Francis Beaufort, dem Hydrograf der englischen Admiralität, benannte „Beaufort-Skala“, der die Logbücher der Kapitäne akribisch auswertete. Diese 12-teilige Skala der Windgeschwindigkeiten in Meter pro Sekunde, Kilometer und Meilen pro Stunde beschreibt die sichtbaren Auswirkungen an Land auf Bäume und Häuser sowie auf dem Meer durch den Seegang. Sie wurde 1971 von Theodore Fujita von der Universität Chicago für Windgeschwindigkeiten, die über die Beaufort-Skala hinausgehen, erweitert und speziell für Stärke-Kategorien von Hurrikanen und Taifunen (F0 bis F5) festgelegt. Bei der Windstärke für F5 können sogar asphaltierte Straßen vom Boden „gesaugt“ werden! Gemessen wird die Windrichtung und Geschwindigkeit heutzutage international standardisiert. Für den meteorologischen Datenaustausch nimmt man 10 Meter Höhe über Grund, da die Art der Bodenoberfläche durch Bewuchs oder Gebäude sehr stark verändert werden kann. So gilt die Faustformel: 10-mal die Höhe eines Hindernisses ist die Windbremsung auf die horizontale Strecke übertragen! Als herkömmliches Messinstrument wird noch immer häufig das so genannte Anemometer (von griechisch anemos = Wind) eingesetzt. Dabei handelt es sich um ein Schalenkreuz, das durch den Winddruck in Rotation gebraucht wird und dies per Leitung in Computer überträgt. Schalenanemometer
 Bildquelle: wikipedia.de In Deutschland gilt als offizielles Messnetz das Stationsnetz des Deutschen Wetterdienstes DWD. Aus den gewonnen Daten von Spitzenböen und 10-minütigem Mittelwind in 10 Meter über Grund werden Statistiken erhoben, deren 30-jährige Durchschnittswerte auf Flächenkarten für einen so genannten Windatlas dienen. In der Landwirtschaft nützen Winddaten aus 10 Metern Höhe herzlich wenig, da sich ja die Felder und Obstbaumkulturen darunter befinden. So sind zum Beispiel in Sonderkulturen wie Weinreben oder Obstplantagen die Windbewegungen für die Effizienz von Schädlingsbekämpfungsmaßnahmen alles entscheidend! Daher wird in der Landwirtschaft meist in 2,5 Metern Höhe gemessen. Für Gutachten sind diese Daten durchaus geeignet, haben aber den Haken, dass sie extrem von den lokalen Bedingungen geprägt sind. Bestehen Datenlücken mangels Messung für einen bestimmten Zeitraum oder Standort, muss „interpoliert“ werden; zu deutsch: es werden die vorhanden Daten der näheren Umgebung und/oder anderer Standard-Höhen (10m) auf den gewollten Standort näherungsweise übertragen. Damit schrumpft natürlich deren Aussagekraft. Windvorhersagen hat man durch viele Jahre wissenschaftliche Auswertungen von eigens aufgebauten Strömungsmodellen im Windkanal mittlerweile ziemlich präzise im Griff. Dennoch machen „unruhige“ Landschaftsprofile in Deutschland und dem Alpenraum ganz genaue Angaben für einen bestimmten Punkt oftmals schwierig. Außerdem lässt sich das Wetter vor allem bei sommerlichen Gewittern mit vorgelagerten so genannten „Böenwalzen“ nur mit Windstärkenangaben „von…bis“ präzisieren. Wenn Sie sich für die Entwicklungen der http://www.mr-wetter.de/prognosen/booen.html bei sich vor ort einen aktuellen Überblick verschaffen wollen, können Sie das über unsere Service-Seite www.mr-wetter.de jederzeit…!
|