Wetterwissen #21 Volksweisheit oder Aberglaube – die Sache mit den Lostagen!

Unsere Serie: „Schon gewusst?! Wetterwissen - Teil 21“

Thema: Volksweisheit oder Aberglaube – die Sache mit den Lostagen!

Vorweg gleich einmal dies: mit den nachfolgenden Ausführungen soll niemand davon überzeugt werden, auf moderne und oft sehr hilfreiche Techniken des Informationszeitalters zu verzichten.
 
Dennoch ist es durchaus möglich, dass gerade dadurch über Jahrhunderte aufgebaute, bewahrte und oft mündlich weitergegebene Erfahrungsschätze mit hohem Gehalt an Bodenständigkeit mit der schnelllebigen Zeit verloren gehen könnten. Dazu gehören auch die althergebrachten, so genannten Lostage. Daher zunächst kurz deren Definition:
 
Lostage (oder auch: Lurtage) sind feststehende Tage im Kalender, die nach altem Volksglauben Vorhersagen über die Wetterverhältnisse der folgenden Wochen und Monate ermöglichen, den günstigsten Zeitpunkt verschiedener landwirtschaftlicher Tätigkeiten (etwa Aussaat) bestimmen oder Prognosen über die Ernte erlauben (vgl. Bauernregeln). Einer der bekanntesten Lostage ist der Siebenschläfertag. Im Gegensatz dazu sind die so genannten Schwendtage oder verworfene Tage zu sehen, die früher als Unglückstage galten.
 
Anfang Februar – genauer gesagt: am 2. Februar - befindet sich ein solcher Lostag, der durchaus in die Kategorie „bedeutsam“ gehört und nach ausgiebigen klima-statistischen Auswertungen sogar eine gewisse Eintreffwahrscheinlichkeit besitzt: Lichtmess!
 
Der historische Ursprung liegt in einer heidnischen Sühneprozession, die alle fünf Jahre in Rom abgehalten und nun mit diesem Fest ins Christentum übernommen wurde. Deshalb stand die Kerzenweihe und Lichterprozession im Mittelpunkt und wird das Fest auch "Mariä Lichtmess" genannt. Das Fest ist im 5. Jahrhundert in Jerusalem bezeugt, wurde im 7. Jahrhundert in Rom eingeführt und zunächst am 14. Februar gefeiert. An Lichtmess wurde der Jahresbedarf an Kerzen für die Kirchen geweiht, die Leute brachten auch Kerzen für den häuslichen Gebrauch zur Segnung. Diese gesegneten Kerzen sollten vor allem in der dunklen Jahreszeit das Gebetbuch beleuchten, oder als schwarze Wetterkerzen Unwetter abwehren.
 

Mariä Lichtmess von Giovanni Bellini
 
Der 2. Februar hatte aber im Mittelalter noch eine ganz andere, sehr große Bedeutung: Das Arbeitsjahr der Dienstboten begann und endete am 2. Februar, an Maria Lichtmess. Dieses Marienfest war früher einer der wichtigsten Tage im bäuerlichen Jahresablauf; denn an diesem Tag wechselten viele Dienstboten ihren Dienstherrn. Sie bekamen vom Bauern zu dem Jahreslohn ihr Dienstbüchlein ausgehändigt, ein sehr wichtiges Dokument für den Besitzer; darin waren vom Bauern das Verhalten und die Leistungen niedergeschrieben.
 
Nicht nur, dass die hart gesottenen Weihnachts-Anhänger die „offizielle Erlaubnis“ haben, bis zu diesem Termin sogar den Weihnachtsbaum stehen lassen zu dürfen; um diesen Termin herum soll sich, ähnlich wie beim Siebenschläfertag am 27. Juni, der nachfolgende Witterungscharakter der laufenden Jahreszeit ablesen lassen.
 
Daher an dieser Stelle eine Auswahl in Versform gebrachter Wetterregeln zu Lichtmess:
 
Ist's an Lichtmess hell und rein, wird's ein langer Winter sei. Wenn es aber stürmt und schneit, ist der Frühling nicht mehr weit.
 
Der Lichtmess-Sonnenschein bringt großen Schnee herein.
 
Ist's Lichtmess licht, geht der Winter nicht.
 
Lichtmess im Klee, Ostern im Schnee. Weiße Lichtmess - grüne Ostern.
 
Lichtmess trüb / ist dem Bauern lieb.
 
Meteorologischer Hintergrund dieser über Jahrhunderte gesammelten Erfahrungsschätze ist schlicht und einfach die Tatsache, dass eine freundlich-milder Witterungsphase Anfang Februar extrem trügerisch ist. Sie bedingt fast immer im Gefolge einen markanten Umschwung der Großwetterlage – quasi als natürlicher Ausgleich – in die genau entgegen gesetzte Richtung: anstatt weiter Frühling droht häufig noch mal ein Rückfall in den Winter!
 
Fazit: Jetzt lieber Geduld haben und noch eine Weile jahreszeitgemäßen Winter „ertragen“ (für den Naturrhythmus und die spätere Pflanzenentwicklung eh viel besser!), als voreilig auf sonnig-laue Zeiten zu pochen und dann im eigentlichen Frühling Frust schieben. Aber solche realitätsfremden Wetter-Wunsch-Vorstellungen stammen eh aus ganz anderen Branchen als der Land- und Forstwirtschaft…

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