Wetterwissen #16 Von Irrglauben und Unausrottbarem – die Mär vom Hundertjährigen Kalender

Unsere Serie: „Schon gewusst?! Wetterwissen - Teil 16“

Thema: Von Irrglauben und Unausrottbarem – die Mär vom Hundertjährigen Kalender
 
Unglaublich, aber wahr: im Zeitalter von Marssonden, Elektromobilen und drahtlosen Notebooks vertraut eine schier unüberschaubare Menge an sonst kritischen, naturwissenschaftlich geschulten Menschen im deutschsprachigen Raum einem Phänomen, das seit Jahrhunderten zu den Dauerbrennern im Verlagswesen zählt: dem so genannten „Hundertjährigen Kalender“!
 
Man könnte auch sagen: gleich nach dem Horoskop und der täglichen Wettervorhersage kommt diese Orchidee unter den Wetterregel-Werken. Wenn man allerdings Auge in Auge die konkrete Ja-Nein-Frage stellt: „Glauben Sie an…?!“, wird meist mit überzeugender Mimik hartnäckig geleugnet! Doch die Auflage-Zahlen sprechen für sich; so muss vermutet werden, dass viele diese sagenumwobene und scheinbar zeitlose Literatur irgendwo heimlich im Nachtkästchen versteckt halten müssen.
 
Anders ist nicht zu erklären, warum beim belanglosen Gespräch übers Wetter, immer wieder der mahnende Nebensatz fällt: „Aber laut Hundertjährigem müsste diesmal…!“
 
Daher ein für alle Mal hier nun folgende aufklärerische Informationen – ganz ohne Emotion, sondern rein auf Basis von Tatsachen, die jeder nachvollziehen kann – so er/sie denn will:
Der Hundertjährige Kalender wurde im 17. Jahrhundert von Mauritius Knauer (* 1613 oder 1614; † 1664), Abt des Klosters Langheim als Calendarium oeconomicum practicum perpetuum verfasst. Das Buch sollte ihm und seinen Mönchen ermöglichen, das Wetter in Franken vorherzusagen und so die klösterliche Landwirtschaft zu optimieren.
 
Knauer stützte sich auf klassische astrologische Vorstellungen. Er ging von der allerdings auch unter damaligen Astrologen umstrittenen Idee aus, die Himmelskörper ("Planeten") Mond, Saturn, Jupiter, Mars, Sonne, Venus und Merkur würden, in festem Turnus aufeinander folgend, jeweils ein Jahr lang von Frühlingsbeginn bis Winterende entscheidend das Wetter beeinflussen. Nach dieser Theorie genügte es, über einen beliebigen siebenjährigen Zeitraum präzise Wetterbeobachtungen zu machen, um, darauf aufbauend, auch für die Zukunft das Wetter vorhersagen zu können. Knauer schränkte allerdings ein, dass zusätzliche, astrologisch bedeutsame Faktoren wie Kometen, Sonnen- und Mondfinsternisse das Wetter abweichend beeinflussen könnten. Die Grundlage für sein Calendarium legte der Abt mit detaillierten Beobachtungen des Wetters wohl in den Jahren 1652 bis 1658.
 
Erstmals veröffentlicht wurde das Calendarium 1700 von dem in Tennstedt, später in Erfurt tätigen Arzt Christoph von Hellwig, der lediglich die lateinischen Passagen wegließ und behauptete, der Kalender sei einhundert Jahre alt. Unter dem Namen des wahren Verfassers kam das Calendarium erstmals 1704 in Kulmbach heraus. Seit 1720 erscheint das Werk immer häufiger unter dem Titel „Hundertjähriger Kalender“, so benannt nach der Übersichtstabelle über die Verteilung der Jahre unter die einzelnen Planeten.
 

 
Fazit:
Aus meteorologischer Sicht sind die Vorhersagen – definitiv - nicht haltbar. Übereinstimmungen werden als Zufälle gewertet! Mehr kann hierzu nicht gesagt werden. Nun entscheiden Sie selbst; die Prognosen unter www.mr-wetter.de treffen mit Sicherheit erheblich besser auf Region und Zeitraum Ihrer Wahl zu.

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