Wetterwissen #15 Alles Wasser, oder was?! Wie sehr die Meere unser Klima prägen.

Unsere Serie: „Schon gewusst?! Wetterwissen - Teil 15“

Thema: Alles Wasser, oder was?! Wie sehr die Meere unser Klima prägen.
 
Eigentlich ist es ja kaum zu begreifen: Da gibt es rund um den Globus immer wieder Hungersnöte, Erntekatastrophen und sogar Tote, weil nicht genügend Wasser zur Verfügung steht. Auf der anderen Seite sind etwa 70 Prozent der Erdoberfläche mit Wasser bedeckt – allerdings eben Salzwasser. So oder so haben diese weltumspannenden Ozeane aber neben der Lufthülle eine alles entscheidende Wirkung auf unser Klima und die regionalen Ausprägungen, die ein Leben auf diesem Planeten erst möglich machen!
 
Dabei ist seit Jahrmillionen eine unsichtbare und dennoch gigantische globale Wasser-Umwälzpumpe aktiv. Sie vermischt nicht nur frisches Süsswasser mit salzigem sondern sorgt auch für den lebensnotwendigen Ausgleich von kalten und warmen Zonen sowie den Erhalt allen Meereslebens bis in große Tiefen! Je nachdem welche Küsten Region den anschließenden Kontinente an kalten oder warmen Strömungen anliegt, herrschen dort gemäßigt regenreich oder trocken heiße Klimazonen vor.
 
Wir in Europa haben das „Glück“, vom atlantischen Golfstrom mit Wärme versorgt zu werden. So lange dieser Strom nicht schwächelt oder gar versiegt, brauchen wir uns vor einer neuen Eiszeit nicht zu fürchten. Ob und wann dies der Fall sein wird, darüber forschen Naturwissenschaftler intensivst. Man sollte sich allerdings nicht von sensations- und auflageorientierten Massenblätter verrückt machen lassen, wenn mal wieder der Teufel – siehe „ bevorstehender Jahrtausendwinter 2010/2011“ - an die Wand gemalt werden sollte!
 

Globale Meeresströmungen und Salzgehalte
 
Aber nicht nur die flüssige Form hat massiv prägende Wirkungen, sondern auch die festen Varianten wie Eis und Schnee: So entscheidet der Anteil an weißen Oberflächen auf der Erdkugel über einige Prozente an Wärmeplus oder –verluste in der alljährlichen Energiebilanz des Weltklimas. Wie uns bestens von hellen oder dunklen Autodächern bekannt, sind die Oberflächen bei Sonneneinstrahlung umso heißer, je dunkler sie sind – Stichwort: Albedo. Je heller oder weißer die Oberflächen, umso besser können sie die eingestrahlte kurzwellige Energie als (langwellige) Wärme wieder reflektieren. Das macht die Erdkugel ganz genauso!
 

Die aktuelle Ausdehnung der arktischen Eisfläche Anfang November
 
Wenn sich nun aber das Weltklima fortlaufend erwärmt, wird das Abschmelzen der Eiskappen an den Polen, in unserem näheren Falle der Arktis, von Jahr zu Jahr mehr beschleunigt und kann sich in den Polarwintern immer weniger regenerieren. Steigende Meeresspiegel und der oben beschriebene Aufheiz-Effekt als eine Art Rockkoppelung sind die fatalen Folgen.
 
Und noch ein spannender Effekt der Meere:
Ob sie nun Taifun, Zyklon, Willy-Willie oder Hurrikan heißen - tropische Wirbelstürme entstehen alle auf dieselbe Art und Weise. Grundvoraussetzungen sind Wassertemperaturen von über 27 Grad. Das schränkt die Entstehungsgebiete auf die tropischen Ozeane innerhalb des 15. nördlichen und südlichen Breitengrades ein. Die äquatorialen Regionen bleiben in einem insgesamt etwa zehn Breitengrade messenden Korridor frei von Wirbelstürmen. In diesen Gebieten fehlt die zur Rotation nötige ablenkende Kraft der Erdrotation.
 
Tropische Wirbelstürme sind riesige atmosphärische Wärmekraftmaschinen, die - sind sie einmal in Gang gesetzt - sich mehr oder weniger selbst mit neuer Energie versorgen. Über den warmen Ozeanen steigen Luftmassen bis in eine Höhe von 20 Kilometern auf. Wolkentürme bilden sich und die bei der Verdunstung des Wassers gespeicherte Energie wird in der Höhe freigesetzt. Die Luftsäule wird wärmer, dadurch leichter und der Luftdruck nimmt über der Ozeanfläche stark ab. Wie ein Staubsauger zieht der entstehende Wirbelsturm daher nun immer mehr feuchte und warme Luft aus der Umgebung an.
 
Der Wirbelsturm würde schnell zum Erliegen kommen, wenn die Luftdruckunterschiede ausgeglichen würden. Da aber die ablenkende Kraft der Erdrotation (Corioliskraft) einwirkt, beginnt das System zu rotieren und die einströmende Luft wird gezwungen aufzusteigen. Der Wirbelsturm wird größer, die Luftdruckunterschiede extremer.
 
Mit der vorherrschenden Windrichtung ziehen Stürme mit einer Geschwindigkeit von bis zu 50 Kilometern in der Stunde hauptsächlich in westliche Richtung. Erreichen sie das Festland, richten sie bei Windgeschwindigkeiten bis über 300 Kilometern pro Stunde große Verwüstungen an! Da über dem Land keine weitere Feuchtigkeit nachgeliefert wird und die Reibung stärker ist, verlieren sie ihre Bewegungsenergie und schwächen sich allmählich ab.
 

NASA-Sat.Bild zu erhöhten Meeres-Oberflächen-Temperaturen der Tropensturm-Zone
 
Wenn Sie solche Gefahrenzonen einmal selbst beobachten wollen, finden Sie auch diese Regionen der Welt mit unserer Seite www.mr-wetter.de!

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