Wetterwissen #14 Von wegen nur Finger in den Wind – die lange Geschichte von Mensch und Wettervorhersage

„Schon gewusst?! Wetterwissen - Teil 14“

Thema: Von wegen nur Finger in den Wind – die Geschichte von Mensch und Wettervorhersage
 
Es gibt wohl kaum jemanden, bei dem nicht irgendwo im Hinterkopf nahezu von klein auf das Wetter und seine untrennbare Verknüpfung mit dem Wohl und Wehe des Menschen abgespeichert wäre. Das fängt schon bei dem griechischen Gott Zeus und seinen Blitzen an, die er aus Wut zur Erde geschleudert haben soll. Und es endet beim flinken Klick ins Internet im Zeitalter der globalen Vernetzung.
 
Im Grunde wurde seit jeher das Überlebensschicksal des Menschen vom vorausschauenden Umgang mit den Gefahren und Angeboten der Natur bestimmt. Sich in der Steinzeit ohne Bewaffnung und Strategie einem Säbelzahntiger oder Mammut entgegenzustellen war ebenso fatal, wie mit der eigenen Horde bei Gewittersturm auf einem kahlen Hügel zu nächtigen! Es musste also ein Erfahrungsschatz her – oft genug verbunden mit schmerzlichen Erfahrungen oder gar tragischen Verlusten. Doch über Jahrtausende gab es keinerlei technologische Möglichkeiten, außer der blanken Beobachtung und dem regionalen Lernen über die Zusammenhänge vor Ort. Gezwungenermaßen nach dem Prinzip: Versuch und Irrtum wurden Wetterphänomene und daran angeknüpfte Verhaltensweisen geprobt, verworfen oder durch mündliche Überlieferungen weitergegeben.
 
Asyrischer Wettergott
 
Das reichte bis hinein ins späte Mittelalter, wo die Bauernschaft nach wie vor intensiv entlang des Wetterregel-Kalenders plante und erntete. Nicht zuletzt deshalb gibt es noch heute die zahllosen Taschenbücher zu diesem Thema – bis hin zum Hundertjährigen Kalender, der seinen Ursprung bei einem Bamberger Abt Mitte des 17. Jahrhunderts fand. Das Buch sollte ihm und seinen Mönchen ermöglichen, das Wetter in Franken vorherzusagen und so die klösterliche Landwirtschaft zu optimieren. Zur realistischen Verwendbarkeit dieses Kalenders demnächst in einem Newsletter mehr!
 
Unglaublich, aber wahr: die erste echte Wetterkarte mit so genannten Isobaren (Linien gleichen Luftdrucks auf Meeresniveau) wurde bereits im Jahre 1826 in einer Dissertation angefertigt; und dies aus heutiger Sicht mit primitivsten Messinstrumenten und einem spärlichen Beobachtungsnetz. Von unmöglichen aktuellen Austausch der ermittelten Wetterdaten ganz zu schwiegen!
 
Wetterbericht Brandes 06.03.1783
 
Noch in den Sechzigerjahren war die Qualität der Wettervorhersage in und für Deutschland entscheidend vom Wissen und Erfahrungsschatz einzelner „Prognose-Freaks“, wie damals Prof. Scherhag vom Meteorologischen Institut der freien Universität Berlin geprägt. Als er starb, wurden die Prognosen vorübergehend nachweislich schlechter!
 
Die Wettervorhersage, wie wir sie heute kennen, ist das Ergebnis – in neudeutscher Computersprache: der Output, von abertausenden, rund um den Globus fortlaufend gesammelten und in Zentralrechnern ununterbrochen gespeicherten sowie verarbeiteten Beobachtungsdaten. Dazu zählen Wetterstationen, Bojen, Messschiffe auf den Meeren, stationäre und auf festen Bahnen wandernde Wettersatelliten sowie rein menschliche Wetterbeobachtungen auf persönliche Sicht und Eintragungen in Logbücher.
 
Dabei werden für zig Klima-Parameter Netze über die Kontinente gelegt, an deren Gitterpunkten die Prognoseergebnisse für beliebige Uhrzeiten abgegriffen werden können.
 
Grundlage bilden hochkomplexe und komplizierte so genannte thermo-dynamische Gleichungen, die selbst die intelligentesten Physiker und Mathematiker oftmals nicht mehr so recht durchschauen. Die Wechselwirkungen zwischen Erdatmosphäre, Wasser- und Festlandsoberflächen, Sonnenstand und Jahreszeiten sind derart gigantisch und nicht zuletzt dynamisch, dass es schon an ein Wunder grenzt, wenn wir in den Medien durchaus verlässliche Prognosen für mehr als 48 Stunden serviert bekommen können!
 
Der banale Spruch: „Damit ich weiß, wie das Wetter wird, halte ich einfach den Finger zum Fenster raus, und fertig!“ zeugt daher entweder von mangelnder Kenntnis oder er ist augenzwinkernd provokativ gemeint. Wie es in unmittelbarer Umgebung in den nächsten Stunden weitergehen wird, kann durchaus mittels Erfahrung treffsichere Ergebnisse bringen. Weiter über den Tellerrand geht es aber, abgesehen von Zufallstreffern – meist nicht mehr.
 
Das Kuriose dabei ist und bleibt: kaum ein Bereich polarisiert die Menschen seit jeher mehr, als die Zukunftsvorhersage. Ob Orakel, Medizinmann, Astrologe oder Meteorologe – sie alle haben eines gemeinsam; sie werden bei Fehlprognosen schnell verlacht. Doch weil der Mensch von Natur aus wissen will, wie es weitergeht – hier wirken noch immer die Steinzeit-Gene! - sind die meisten Vorhersager schon bald danach wieder heiß begehrt…
 
Am besten Sie spielen selbst Orakel und nutzen die moderne Technik mit www. mr-wetter.de für Ihre ureigensten Zwecke und Pläne!

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