|
|
|
Diesmal wird es ziemlich kompliziert; es sei dennoch aus aktuellem Anlass gewagt für alle, die es interessiert. Es geht um das Phänomen el niño und la niña! Diese so genannte Klimaanomalie bekam ihren Namen von den stark betroffenen peruanischen Fischern, die sie als erstes wahrgenommen haben. Sie Sie nannten das Phänomen in sarkastischer Weise "El niño", was auf Spanisch "Christkind" oder "Knabe" heißt, da el niño um die Weihnachtszeit am stärksten ist. El niño verursacht unzählige Naturkatastrophen und bringt insofern Peru wenig Gutes. Diese natürliche Klimaanomalie ist aber nicht von uns Menschen gemacht, denn sie treibt ihr Unheil wahrscheinlich schon seit etlichen Jahrhunderten. Seit der Entdeckung Amerikas vor über 500 Jahren durch die Spanier sind el niño- typische- Ereignisse durch schriftliche Überlieferungen bekannt. Wir Menschen interessieren uns hingegen erst seit 150 Jahren genauer dafür, denn seit dieser Zeit wird el niño bewusst wahrgenommen. Wir Menschen mit unserer modernen Zivilisation können dieses Phänomen zwar unterstützen, es aber nicht auslösen. So wird vermutet, dass el niño durch den Treibhauseffekt (verstärkter Ausstoß von Kohlendioxid) in kürzeren Abständen und intensiver auftritt. El niño wird jedoch erst seit einigen Jahrzehnten intensiv erforscht, so dass noch etliches unaufgeklärt ist. El niño und die Southern Oscillation, die Südliche Oszillation (zusammen ENSO) beschreiben ein komplex gekoppeltes Zirkulationssystem von Atmosphäre und Ozean im Pazifik. El niño steht dabei eher für die ozeanischen Zusammenhänge, während die Südliche Oszillation bzw. für die atmosphärischen Zusammenhänge steht. Während der Zeit, wo ENSO im Bereich des tropischen Pazifiks wirkt, gibt es viele übergreifende Wetter- und Strömungsauswirkungen nach Norden und Süden. Die Schwankungen des Indischen Monsuns (Passatwinde vom Meer, die viel Regen bringen!) oder der Hurrikanhäufigkeit in Mittel- und Nordamerika werden mit ENSO eng in Verbindung gebracht.
 Gegensätze von Warm/Kalt im Oberflächenasser des Pazifiks und der Windströmungen in der Atmosphäre darüber beim Auftreten von el niño und la niña; Quelle: NOAA, Univ. of Washington ENSO besitzt drei Phasen: el niño ist dabei die bekannteste. Daneben gibt es noch den „normalen“ Zustand von Ozean und Atmosphäre sowie la niña, welches das Gegenstück zum el niño ist. Während der Normalphase schiebt die pazifische Zirkulation warmes Oberflächenwasser nach Westen. Kaltes Tiefenwasser wird an der Küste Südamerikas nach oben gespült. In der el-niño-Phase bewirkt das Absinken der unterschiedlich temperierten Wasserschichten eine Erwärmung des Oberflächenwassers vor der Küste Südamerikas in Form einer sogenannten „Warmwasserzunge“. Während der la-niña-Phase. Durch eine besonders stark ausgeprägte Zirkulation ist der östliche Pazifik vor Südamerika besonders kühl. Derzeit haben wir wieder einmal ein derartiges „la niña-Ereignis“! Bei einem la niña- Ereignis kann man generell sagen, dass die typischen Klimaverhältnisse einer Region noch verstärkt werden. In Südostasien bedeutete dies bereits, dass gewohnt heftige Regenfälle für Überschwemmungen und Erdrutsche sorgen. Pakistan und Teile Chinas sind aktuell drastische Beispiele dafür! Um den Jahreswechsel 1997/98 hatte ebenfalls bei einem la nina-Ereignis die lang anhaltende Trockenheit in Indonesien für verheerende Waldbrände gesorgt, von denen sich als Folge eine gewaltige Smogwolke bildete.
 Grafik zum Auftreten von el nino und la nina seit 1950; Quelle elnino.info Direkt reichen diese riesigen Abweichungen im Ozeanwasser und in der Wetter-Atmosphäre zwar nicht bis zu uns; indirekt kann es aber gut sein, dass die Extreme der Juli-Hitze und danach wiederholten Überschwemmungen eine Art schwaches Wetter-Echo quasi von der anderen Seite unseres Planeten sind. Wir dürfen nicht vergessen. Alles hängt miteinander zusammen, auch wenn es auf den ersten Blick nicht so scheinen mag…
|