Wetterwissen #08 Blick über den Tellerrand – Hundstage 2010, diesmal auf russische Art!

Unsere neue Serie: „Schon gewusst?! Wetterwissen - Teil 08“

Wetterwissen

Thema: Blick über den Tellerrand – Hundstage 2010, diesmal auf russische Art!
 
Während in Deutschland die Urlauber-Heimreisewellen von Süd nach Nord schwappen – ausgenommen Bayern und Baden-Württemberg – und man sich ernüchtert-widerwillig dem eher typische deutschen Sommerspektrum zuwendet, herrscht weit weg von uns eine Hitzewelle, die es in sich hat!
 
Nein, es ist weder Spanien, noch Griechenland oder die Türkei gemeint. Für viele eher laienhafte Weltklima-Beobachter findet sie seit Wochen in einer Region statt, die allein schon die Fläche von Westeuropa locker toppt; und es ist genau dort, wo der Volksmund immer die sibirische Winterkälte und den gefürchteten Ostwind lokalisiert: in weiten Teilen Westrusslands bis zum Ural und runter bis ans Schwarze Meer und ans (weitaus weniger bekannte) Kaspische Meer!
 
Und hier einige Details:
Moskau hat zum zweiten Mal innerhalb einer Woche einen absoluten Hitzerekord seit Beginn der Wetteraufzeichnungen vor 160 Jahren aufgestellt und den alten Höchstwerte anno 1920 geknackt: Am Donnerstag, den 29. wurden 38,2 Grad Celsius gemessen, etwas mehr als am Montag, den 26. Juli!
 
Es ist in Westrussland mittlerweile auch insgesamt gesehen der heißeste Juli seit Beginn der Wetteraufzeichnungen vor 160 Jahren. Der Großteil der Weizenernte ist vertrocknet. Südlich der Hauptstadt wurden Spitzentemperaturen von über 40 Grad gemessen, nahe der Grenze zur Ukraine in der Region am Fluss Don sogar 41,6 Grad! Über 65000 ha Wald stehen in Flammen, bisher starben rund 2500 Menschen bei Badeunfällen – oft war leider weit verbreiteter übermäßiger Vodka-Genuss daran maßgeblich beteiligt.
 
Quelle: wetteronline.de
 
Bildquelle: wetteronline.de
 
In Verhnij Baskuncak (ca. 200 Meilen NW vom Kaspischen Meer, ungefähr auf der Höhe von Wien) wurden am 11.07. 44 Grad und am 28.07. 43 Grad gemessen!
 
Die Heißluftzunge reichte sogar bis in eine Region, die nicht gerade für tropische Temperaturen im Freien bekannt ist; sie liegt im Bereich der mittelfinnischen Seenplatte und der nördlich angrenzenden Region um den Polarkreis. Bis fast 38 Grad stiegen am 29. Juli die Temperaturen in Joensuu in Südostfinnland, ca. 400 Kilometer nordöstlich von Helsinki! In der gesamten Region waren Temperaturen über 35 Grad an der Tagesordnung. Dabei dürften die gefühlten Temperaturen bei großer Schwüle aber deutlich höher bei etwa 40 Grad gelegen und damit der berühmten „Finnischen Sauna“ selbst im Freien alle Ehre gemacht haben…
 
Hintergrund dieser denkwürdigen und großflächig in die Aufzeichnungsbücher der Wetterstatistiker eingehenden Großwetterlage ist die enorme Stabilität und Ausprägung der Heißluft. Über den kontinentalen Flächen fehlt zum Einen eine abkühlende Meeresfläche weit jenseits des Schwarzen und Kaspischen Meeres weiter im Norden. Zugleich sind dort die Tageslängen noch recht nahe am sommerlichen Maximum. Richtung Polarkreis scheint bekanntlich die Sonne um diese Jahreszeit noch einige Stunden länger als in unseren Breitengraden!
 
Kein Wunder also, wenn mangels Feuchtigkeit für abkühlende Regenfronten oder Tiefs die Landschaften im großen Stil Tag für Tag ausgedörrter werden. Hierbei entsteht ein Teufelskreis: Je mehr die Sonne aufheizt, umso weniger kann es jeweils nachts abkühlen; je mehr aus den Böden die Feuchtigkeit schlichtweg verdunstet wird, umso weniger nächtliche Verdunstungskälte kann einen energetischen Ausgleich zur Aufheizung am Tage liefern. Und je häufiger Wald- und Torfbrände entstehen, die die Luft mangels Windaustausch weitreichend mit Rauchpartikeln „schwängern“, umso dunstig-stickiger wird es in Bodennähe! Dies verhindert ebenfalls die nächtliche Wärmeabstrahlung in den Weltraum- ausgerechnet in den eh schon überhitzten und versiegelten Großstädten besonders stark.
 
Beispielhaft für die Größenordnung dieses Extrem-Ereignisses ist die Abbildung der weltweiten Temperaturen für 14 Uhr MESZ. Hier ist zu sehen, dass es auf der Nordhalbkugel nirgends sonst so heiß ist, wie von Arabien her mit einer breiten Zunge über das Schwarze Meer, die Ukraine und Westrussland fast bis rauf zum Polarkreis!
 
Und ein Ende dieser Konstellation ist laut aller bedeutsamen Wetterdienste bis weit in den August nicht in Sicht…
 
Temperatur in 2m Höhe in Grad Celsius
 

 
Bildquelle: WEATHER365

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