Wetterwissen #46 Ost-West-Konflikt auf höchster Ebene - wenn Russland nach Europa reicht!

Unsere Serie: „Schon gewusst?! Wetterwissen - Teil 46“

Unsere Serie: „Schon gewusst?! Wetterwissen - Teil 46“
 
Ost-West-Konflikt auf höchster Ebene - wenn Russland nach Europa reicht!
 
Sie mögen als Bedenkenträger und Pessimisten verschrien sein - aber naturverbundene und wetterinteressierte Menschen mit einer Portion Lebenserfahrung in unseren Breitengraden haben in den vergangenen Wochen immer davor gewarnt, nur wegen des wieder einsetzenden Vogelzwitscherns und der lauen Wochen ohne Schnee auf Vorboten eines baldigen Frühlings zu setzen...
 
Und nun ist es passiert - der ausgebliebene Winter holt zum großen Rundumschlag über fast ganz Europa aus! Wie kam und kommt das zustande:
 
1. Grundlage des niederschlagsreichen, windigen und in den Niederungen schneearmen Witterungsablaufs - das Westwindband über den Nordatlantik nach Europa (Jetstream, Westdrift, positive Nordatlantische Oszillation NAO) ist innerhalb weniger Tage wie ein Kartenhaus in sich zusammengebrochen!
 
Verlauf der NOA von Okt. 2011 bis Feb. 2012:

Quelle: wetterzentrale.de
 
2. Zugleich hat sich klammheimlich über dem euro-asiatischen Kontinent mit Schwerpunkt Russland eine gigantische Hochdruckblase ausgebildet. Sie erreichte zwischenzeitlich West-Ost-Dimensionen von ca. 10000 Kilometern; also quasi von Osteuropa bis Japan!
 
3. Da die Luftströmung in diesem Monster-Hoch mit dem Uhrzeigersinn fließt, wurde und wird auf direktem Wege über das verschneite Festland sibirische Arktikluft westwärts bis zu uns transportiert. Sie kann sich wegen der langen Nächte und mangels großer Wasserflächen nur gering erwärmen und ist außerdem knochentrocken.
So passiert nun nahezu punktgenau zum Start in den Februar ein brutaler Wetterwechsel, bei dem wie auf den Kopf gestellt in breitem Strom diese extreme Kälte vor allem das zentrale Europa überflutet. Höhepunkt des Frostschocks dürfte das erste Februarwochenende und Anfang der 6. Kalenderwoche sein. Sogar in Nordafrika muss mit Schnee gerechnet werden! Doch dazu im Bericht zum weiteren Trend unten mehr.
 
Temperaturverteilungskarte für Atlantik und Europa in ca. 1500 Metern Höhe am 06.02.2012:

Quelle: wetterzentrale.de
 
An dieser Stelle vorweg noch ein paar Fakten zur historischen Einordnung und über die physikalischen Hintergründe, welche Extreme auf uns zukommen:
 
Nach Auswertung der Klimaarchive für Deutschland handelt es sich bei diesem Wetterereignis um eine ausgesprochene Rarität. So gibt es mehrtägige Extremfröste von minus 20 Grad und tiefer in einem Februar seit 1950 nur ganze zwei Mal, und zwar 1956 und 1986! Die tiefsten Temperaturen des Winters werden häufiger im so genannten Hochwinter, Teil 2 erreicht. Aber eine derart grimmige Kälte ist hierzulande die große Ausnahme.
 
Verlauf der Lufttemperatur-Minima am Fallbeispiel Erfurt im Februar 1986:

Quelle: www.wetteronline.de
 
Besonders kritisch ist das regionale Zusammentreffen von mehreren Aspekten:
 
Schneedecke (mindestens 5cm) PLUS sternklarer Nachthimmel (große Wärmeabstrahlung) PLUS Windstille (Senken, Nord-Südquertäler) PLUS astronomisch bedingt lane Nächte (noch immer mehr als 15 Stunden ohne Sonne!).
 
Kommen diese Faktoren an einem Ort zusammen, muss mit nächtlichen Minima in 2 Metern Höhe von minus 20 bis minus 28 Grad und tiefer gerechnet werden! Direkt über dem Schneedecke am Boden sind in Kaltuftsenken sogar bis minus 40 Grad möglich! Dabei handelt es sich um lebensfeindliche Werte - sowohl für Mensch, Tier als auch Pflanzen. Einige praktische Tipps folgen ebenfalls beim Trendbericht!
 
Extrem verreiste Winterwelt im Bayer. Wald:

Quelle: www.bayerwaldnatur.de
 
Übrigens: Dieser so genannte Höhen-Kaltluft-Tropfen hat in seinem Kern in ca. 1500 Metern Höhe nur vorübergehend am Wochenende Werte von minus 20 bis minus 25 Grad - danach wird es auf den Bergen wieder "milder", während es in den schneebedeckten Niederungen ohne Wind erst die Extreme in Serie geben kann. Dann haben wir ggf. die bekannte Inversionswetterlage: unten kalt - oben wärmer...
 
Wenn Sie für Ihre Gegend wissen wollen, wie extrem dieser Kälteeinbruch wird, dann klicken Sie auf unseren Service-Seiten unter www.mr-wetter.de.

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