Wetterwissen #40: „Nach Sommer April mitten im Herbst – vom Ringkampf der Jahreszeiten…!“

„Eicheln, Bucheckern und Winterzeit – Orakel oder Aberglauben…?!“
 
Wir kennen sie von Kindesbeinen an, vor allem außerhalb von Großstädten: alle Jahre wieder liegen sie am Boden und werden eifrig aufgesammelt – die Früchte des Waldes; in unserem speziellen Falle die Eicheln und Bucheckern! Was man dagegen weniger leibhaftig mitbekommt: für das Schwarzwild, also die Wildscheine, handelt es sich dabei um ausgesprochene Leckerbissen – quasi ein Gala-Diner mit jährlich schwankender Fülle. Ausgangspunkt bilden Baumarten, zu denen übrigens auch die Wildobstbäume gehören, die im Herbst einen besonders starken Fruchtanhang aufgebaut haben.
 
Doch die Samen dieser Bäume sind ausgesprochen energiehaltig. Übers Vegetationsjahr wird ein Großteil der Photosynthese in die Samen gesteckt. So verwendet ein Baum etwa zwei Drittel des Jahresgewinns an assimiliertem Zucker zur Bucheckernproduktion. Bei den Jahrringen kann man in solchen Jahren ein deutlich reduziertes Holzwachstum feststellen. Daher werden nach einem solchen Jahr in deutlich geringerem Umfang Bucheckern ausgebildet, selbst wenn die klimatischen Voraussetzungen gut sind.
 
Im Schnitt kommt je nach Region bei Eichen und Buchen alle fünf bis sieben Jahre ein so genanntes „Mastjahr“ vor. In Zeiten des Klimawandels und damit steigender Durchschnittstemperaturen werden jedoch mittlerweile häufigere Mastjahre beobachtet. Das 2011 teilweise zu beobachtende Mastjahr bei Eicheln und Buchen hängt laut Förstern vermutlich auch damit zusammen, dass es in solchen Regionen zur Blütezeit keinen Frost und nachfolgend ausreichend Bodenwasser gegeben habe.
 
Bucheckern:

Quelle: Wikipedia.de
 
Für die Bäume ist die Mast jedoch eine Überlebensstrategie und ein Schutzmechanismus gegen Fraßfeinde. In den mageren Jahren, wenn wenig Samen ausgebildet werden, können sich zum Beispiel Rötelmaus und Eichhörnchen nicht so stark vermehren. Setzt dann ein Mastjahr ein, produziert der Baum wesentlich mehr Samen, als die Fraßfeinde verwerten können, und es bleibt ausreichend Saatgut für eine neue Generation Bäume übrig.
 
Die großen Waldfrüchte fallen von Ende August bis Anfang September von den Bäumen. Dadurch verjüngt sich der Wald durch Aufschlag. Aus den Eicheln und Bucheckern keimt neuer Wald. Eichen brauchen dazu aber genügend Licht, Buchen dagegen gedeihen auch im Schatten der alten Bäume mit ihrer gewaltigen Krone und einem dichten Blätterdach.
 
Eicheln:

Quelle: Wikipedia.de
 
Mit der Naturverjüngung wäre das grundsätzlich ganz einfach. Aber Wildschweine fressen mit Vorliebe Eicheln und Bucheckern. Diese Baumfrüchte sind ein wohlschmeckender, energiereicher Fraß, von dem in einem Mastjahr die Sauen im Übermaß profitieren. Sie werden nicht nur rund und fett, sondern vermehren sich danach schneller und bis zum Dreifachen des Bestandes!
 
Diese Zusammenhänge kennen Jäger und Förster sowie die Bauernschaft seit vielen Jahrhunderten. Sie stellten daher zum Eigennutz schon immer Verbindungen zwischen Mastjahren und den umgebenden Witterungsverläufen her.
 
So fällt nach einem trockenen heißen Jahr die Bucheckernernte häufig besonders reichlich aus. Außerdem sind viele Bauernregeln und Weisheiten entstanden; hier einige davon als Beispiel:
 
Hat die Eiche viele Eicheln, wird der Winter streng uns streicheln.
 
Fallen die Eicheln vor September-Ende ab, so steigt der Sommer früh ins Grab.
 
Viel Eicheln um Michaelis (29.09.), viel Schnee um Weihnachten.
 
Sitzen die Birnen fest am Stiel, bringt der Winter Kälte viel.
 
Wenn Sie jetzt auch noch den aktuellen Hundertjährigen Kalender hinzuziehen, dann entsteht folgendes Szenario für den Winter 2011/2012: „Ab Mitte November Schnee und Kälte bis Ende Februar.“
 
Doch alt hergebrachte Regeln und Mutmaßungen hin oder her – im Grunde kann ein Baum mit seiner Entwicklung übers Jahr nur das Ergebnis von Witterungsabfolgen abbilden. Seine „Fähigkeiten“, mit mehr oder weniger Fruchtbehang bzw. früherer oder späterer Blattverfärbung zugleich den Charakter der bevorstehenden Jahreszeit – in unserem Falle des kommenden Winters – quasi vorauszusagen, ist und bleibt gelinde gesagt ein Wunschtraum. Dennoch werden immer wieder langfristige Aussagen, zumindest über Wahrscheinlichkeiten, versucht; und da widersprechen sich die Trends zum Teil erheblich.
 
Grafik zu Wahrscheinlichkeiten eines zu kalten, normalen oder zu warmen Winters 2011/12 in Deutschland:

Quelle: dwd.de
 
Wir müssen also abwarten und uns Woche für Woche vorantasten – am besten auf unseren Service-Seiten unter www.mr-wetter.de

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