Wetterwissen #39: „Nach Sommer April mitten im Herbst – vom Ringkampf der Jahreszeiten…!“

Unsere Serie: „Schon gewusst?! Wetterwissen - Teil 39“

Thema: „Nach Sommer April mitten im Herbst – vom Ringkampf der Jahreszeiten…!“
 
„Wie ein Fähnchen im Wind…!“ Diesen Ausspruch kennen Sie sicher aus anderen Zusammenhängen. Aber er trifft im Grunde auch bei der Verteilung von Hochs und Tiefs in der globalen Wetter-Atmosphäre den Nagel auf den Kopf! Physiker und Atmosphärenforscher haben diesem Phänomen nur wie üblich ganz hochtrabende Fachausdrücke verpasst. Da heißt es dann zum Beispiel:
 
„…Im Gesamtbild der planetarischen Zirkulation der Luftmassen der Erdatmosphäre sind Rossby-Wellen als mäandrierender Verlauf des Polarfrontjetstreams entlang der Luftmassengrenze zwischen der kalten Polarluft der Polarzelle und der warmen Subtropenluft der Ferrel-Zelle auf der Nord- und in geringerer Ausprägung auch auf der Südhalbkugel der Erde beobachtbar…“ (Zitat: wikipedia.de)
 
Hier der Versuch der allgemein verständlichen Übersetzung: die so genannten Jetstreams sind eine Art Formel-Eins-Piste für Wolkenfronten (vgl. Bolliden auf der Rennstrecke), deren Kurs mit Kurven und Geradeaus-Passagen von Warmluftbergen (Hochs) und Wellentälern (Tiefs) vorgegeben bzw. flankiert wird. Dabei geht wegen der Erdrotation überwiegend von West nach Ost in den mittleren Breiten nördlich und südlich des Äquators sowie jenseits der Pol-Regionen „am meisten die Post ab“. Hier ziehen die kleineren Tiefs samt Regenfronten am flottesten vorüber und werden von Zwischenhochs unterbrochen. Auf der Nordhalbkugel sorgen dabei die Kontinente für mehr Verwirbelungen der Schlangenlinie als auf der meeresdominierten und damit platteren Südhalbkugel.
 
Grafik zu Ausformungen des Jetstreams und der Rossby-Wellen auf der Nordhalbkugel

Quelle: wikipedia.de
 
Betrachten wir uns in diesem Vergleich am besten als Zuschauer mit Tribüne mitten in Deutschland: zuerst rauschen die Schnellläufer Marke Vettel und Schumacher an uns vorüber (Regenfronten), danach folgen die langsameren Nachzügler (Schauerwolken) dann ist Stille (Hoch oder Zwischenhoch). Und so geht es immer wieder von vorne los – oftmals in unterschiedlicher Konstellation und Dauer der jeweiligen Abschnitte…
 
Das Ganze sieht aus der Vogelperspektive wie eine Schlangenlinie aus, in der sich der Tross voran bewegt; mit nur einem einzigen wesentlichen Unterschied: die Schlangenlinie verändert sich - mal langsam, mal ruckartig. Man könnte auch sagen: sie mäandriert. Dies geschieht im Übrigen ganzjährig zu jeder Jahreszeit und überall rund um den Globus! Damit wird fortlaufend Ausgleich zwischen zu kalten und zu warmen Bereichen auf unserem Planeten geschaffen; also eigentlich eine geniale Einrichtung, sofern der Mensch nicht dazwischen pfuscht.
 
Verschiedene Strömungsverläufe über Europa in ca. 5,5km Höhe in der 2. Oktoberwoche:



Quelle: weather365.net
 
In der aktuellen Herbstphase schwächt sich nun tagtäglich der Einfluss der wärmeren Regionen bei uns ab. Zuerst ist es das rascher auskühlende kontinentale Festland, dann die nördlicheren Meere und zuletzt das Mittelmeer sowie der südlichere Atlantik. Zugleich sammelt sich über den eisbepackten Polarregionen, vor allem auf Grönland, eisige Luft. Passt nun die Konstellation der Hochs und Tiefs über dem Atlantik zusammen mit der Jetstream-Rennstrecke Richtung Europa, dann wird dieses Kaltluft-Reservoir „angezapft“ und ggf. volle Breitseite über Deutschland gegen die Alpen gelenkt.
 
Das Resultat ist besonders schockartig, wenn zuvor eine lange friedlich-sonnige und ungewöhnlich laue Altweibersommer-Periode stattgefunden hat. Es ist aber langfristig gesehen etwas völlig Normales innerhalb des Warm-Kalt-Ausgleichsmechanismus in der unteren Erdatmosphäre! Würde dies nicht oder nicht mehr so funktionieren, bliebe es im Norden vernichtend eisig und in einer tausende von Kilometern breiten Zone um den Äquator sowie innerhalb der großen Landmassen Asiens und Amerikas lebensfeindlich heiß ohne jeglichen Regen! Ein „Mini-Beispiel“ wie es dann aussähe, liefert der Kontinent Australien, wo abgesehen von den Küstenregionen nur Wüste herrscht.
 
Fazit: lassen wir also die Jahreszeiten ihre natürlichen Kämpfe um die Vormachtstellung auch bei uns austragen. Auch wenn es dann regionale Verluste in Form von Sturm-, Frühfrost und Erkältungsschäden gibt. Unterm Strich bekommt jeder so viel geliefert, dass es am Schluss wieder für alle reicht und passt. Diese Nachhaltigkeit hat sich letztlich keine andere Berufsgruppe schon seit alters her so sehr zu Nutze gemacht wie die Landwirte und Forstleute.
 
Und wenn Sie dennoch gerne kurzfristiger entscheiden wollen oder müssen, dann holen Sie sich jederzeit die bewährten Informationen zur Wetterentwicklung von unseren Service-Seiten unter www.mr-wetter.de.

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