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Thema: „Zwei Teile Wasser, ein Teil Land – von der Trägheit der Meere…!“ Wenn es auf unserer Erde einen irrwitzigen Widerspruch in sich selbst gibt, dann diesen: Gut zwei Drittel der Erdoberfläche sind mit Wasser bedeckt, und das nicht zu knapp; im Gegenteil: es gibt große Regionen im Indischen Ozean und Pazifik, wo die Wassersäule locker 4 bis 8 Kilometer tief ist! Zugleich wissen wir aber aus den täglichen Medien, dass eine gigantische Zahl an Menschen am Verdursten ist, und dies besonders Kinder! Aber Salzwasser kann und darf man bekanntlich nicht trinken… Doch nun zum Eigentlichen: Ohne Wasser gäbe es kein Leben auf dieser Erde; und ohne die riesigen Wasserflächen auch kein gemäßigtes, menschenwürdiges Klima, das sich zum Anbau von Nahrungsmitteln und die ökologisch immens wichtigen Wälder eignen würde. Dabei spielen die physikalischen Eigenschaften des Medium Wasser eine ganz entscheidende Rolle. Nicht nur, dass es in drei Elementformen – flüssig, fest und gasförmig (Wasserdampf) – existiert und sich laufend von einem in den anderen Aggregatzustand verwandelt. Es sorgt durch unvorstellbare Energieströme und Materialkreisläufe überhaupt dafür, dass sich auf dem blauen Planet „etwas bewegt“! Frei nach dem zentralen Naturgesetz, dass alles nach Ausgleich strebt, verursachen gerade die Meere entsprechend abgemilderte und sanfte Übergänge zwischen Nord, Mitte und Süd sowie zwischen eisig, gemäßigt temperiert und glühend heiß. Zentrale Rolle und messbares Regulativ bilden dabei die so genannten Meeresoberflächentemperaturen. Sie ist definiert als die Wassertemperatur einen Meter unter der unmittelbaren Meeresoberfläche. International nutzt man für die Meeresoberflächentemperatur die englische Abkürzung SST (sea surface temperature). Grafik zur weltweite Oberflächentemperatur der Meere
 Quelle: www.osdpd.noaa.gov Wichtige Parameter, die direkt oder indirekt auf der Meeresoberflächentemperatur und deren räumlichen Unterschieden beruhen, sind der Southern Oscillation Index (großräumige Wetterströmung in ca. 5 Kilometern Höhe über der Südhalbkugel, SST) und die Nordatlantische Oszillation (NAO). Die SST spielt daher eine Große Rolle für Effekte und Ausmaße von El Niño und La Niña sowie speziell den indischen Monsun, dem lebensnotwendigen, regenspendenden Wind bis ins Himalaya-Gebirge. Da selten verschiedene Materialien oder „physikalische Körper“ ein und dieselbe Temperatur aufweisen, entstehen auf dieser Welt laufend so genannte Temperaturgradienten. Dabei fließt in der Regel vom wärmeren Bereich (Körper) die vergleichsweise überschüssige Wärme-Energie zum kühleren Körper/Bereich ab. Dieser Wärmestrom ist umso stärker, je größer der Temperaturunterschied und endet, wenn beide Bereiche in etwa gleich temperiert sind. Dabei erfolgt dieser Austausch an der Erdoberfläche durch die großen Meeresströme, zum Beispiel dem warmen Golfstrom bis vor die Tore Europas, auch „atlantische Wärmepumpe“ genannt. Dazu dies am Rande: Entgegen aller Unkenrufe auch von Klimaforschern, dass dieser Strom sich abschwächen würde, ergab eine neuere Studie der NASA: seit 1993 wird sogar mehr warmes Wasser Richtung Europa transportiert und es gibt keine Anzeichen für ein Stocken der Strömung. Den Warnungen zugrunde liegt die Theorie, dass vor allem Schmelzwasser von Grönlands Gletschern oder Niederschläge die Strömung auf fatale Weise verdünnen könnten. Ein vollständiger Abbruch der Golfstromausläufer würde in Europa vermutlich zu einer deutlichen Abkühlung führen. Der Kinofilm "The Day After Tomorrow" hatte das auf dramatische Weise beschworen. Falschfarben-Satellitenbild zum Golfstrom im Atlantik
 Quelle: IFM-GEOMAR In der Luft geschieht die Anpassung von Polarluft und tropischer Luft durch große Windsysteme, den Hochs und Tiefs, die eingebettet sind im so genannten Jet-Stream, einem wellenförmigen Westwindband in ca. fünf Kilometern Höhe. Zu allem Überdruss kommt nun noch weitere verkomplizierende Kenngrößen aus der Physik hinzu: die unterschiedliche Leitfähigkeit (Trägheit) und Wärmespeicherkapazität, also wie viel und wie lange ein Körper Wärme „halten“ kann, hinzu. Und genau das ist besonders bei den Meeren höchst bedeutsam! Was dann ganz praktisch und von uns alljährlich durch die Jahrszeiten bestens nachfühlbar von statten geht ist folgendes: Obwohl die Sonne in diesen Tagen kurz vor dem Herbstanfang (Tag-und-Nacht-Gleiche) genau dieselbe Intensität und himmlische Zugbahn einnimmt, wie Anfang April, erleben wir teilweise sommerliche Wärme! 30 Grad und drückende Schwüle mit unwetterartigen Hagelgewittern kann Anfang April auch bei der extremsten Wetterlage zwischen Nordsee und Gardasee nicht passieren. Mittlere Wasseroberflächentemperatur in Nord- und Ostsee im Mai 2011
 Quelle: Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie, Hamburg•Rostock Warum? Weil eben die uns umgebenden Meere, also Ostatlantik, Nord- und Ostsee sowie selbst das Mittelmeer trotz gleichem Sonnenstand im September massiv wärmer temperiert sind als Ende März/Anfang April! Die Gründe hierfür liegen genau in den oben ausgeführten Phänomenen: Trägheit, schlechte Leitfähigkeit, langsamer Austausch von Warm und Kalt. Im Grunde verschleppen die Meere durch ihre Oberflächentemperaturen in unseren Breitengraden die jeweils vorige Jahreszeit um ein Quartal nach hinten. Zu Deutsch: In der Atmosphäre ist Frühling, im Meer noch Winter und im Herbst ist rein von der Tageslänge Herbst, in den Meeren aber noch (Spät)Sommer! Mittlere Wasseroberflächentemperatur in Nord- und Ostsee im August 2011
 Quelle: Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie, Hamburg•Rostock Und noch ein Letztes: kommt nun noch die globale Erwärmung hinzu, dann wirkt sie sich zunächst in der Luft, also der unteren Atmosphäre, die für das Wetter „zuständig“ ist, aus. Erst Jahre später ziehen die kleineren Meere und schließlich die Ozeane nach. Und das packt dann bei extremer Wärme, wie im letzten Augustdrittel oder zu den beiden ersten September-Wochenenden noch mal ein paar Grad mehr drauf als vor rund 30 Jahren… Ob auf dem Land oder am Meer – Ihre aktuelle Informationsquelle für das Wetter vor Ort ist und bleibt unsere Seite www.mr-wetter.de!
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