Wetterwissen und Nachrichten

Mutter- und/oder Vatertags-Freuden?! Der weitere Trend bis nach Christi Himmelfahrt…!

 
Schauerdurchzug mit Regenbogen bei Göttingen vom 04.05.2012
Bildquelle: www.wzforum.de
 

Bevor wir einen Blick nach vorne auf die weitere Witterungsentwicklung werfen, sei an dieser Stelle nochmal das „grande finale“ des sonst schwer durchwachsenen Aprils ins Visier genommen!
 
Wie relativ und letztlich manchmal in seiner statistischen Beurteilung geradezu verfälscht der Eindruck sein kann, hat uns dieser klassisch launische Monat gezeigt. So wäre der April 2012 nach 25 von 30 Tagen der bundesweit unterkühlteste seit 1980 geworden! Aber dann – Winddrehung auf Süd, ein Schub afrikanischer Tropikluft per Direkt-Import übers Mittelmeer, garniert mit einem Hauch Saharastaub und verschärft durch Nord-Alpenföhn – und die Allzeit-Rekorde purzelten gleich reihenweise. Denkwürdig und zugleich historisch dabei der 28. April: Man betrachte allein die fünf heißesten Messstationen des DWD:
 
Kitzingen (Unterfranken): 32,9 Grad
Bad Mergentheim-Neunkirchen (Württemberg): 32,9 Grad
Stuttgart-Neckartal: 32,8 Grad
München-Stadt: 32,2 Grad
Würzburg: 32,1 Grad
 
So teilen sich beiden Kleinstädte an Main und Tauber mit 32,9 Grad nunmehr den neuen deutschen Temperaturrekord für den April. München-Stadt stellte mit 32,2 Grad mal eben auch gleichzeitig den bisherigen Höchstwert für Mai (von 1927!) ein.
 
Kurve der Tageshöchstwerte für München-Stadt seit dem 10.03.2012 :

Quelle: wetteronline.de
 
Doch nun schauen wir nach vorne – in diesem Jahr keine leichte Aufgabe. Die unangenehmen Dinge gleich vorweg: Es kommt kein rechtes System in die großräumigen Zirkulationen vom Atlantik über Europa bis nach Russland. Alle Arten von Wetterlagen und Luftdruckgebilden wollen mitmischen. Dem entsprechend wild durcheinander sind sowohl die Temperaturtrends als auch die Herkünfte der so genannten Luftmassen in 850hPa (Höhenniveau ca. 1500 Meter), nach denen der Witterungscharakter von polar bis tropisch ausgerichtet und jahreszeitlich eingeordnet werden kann.
 
Das äußert sich – wie wir an dieser Stelle schon des Öfteren ausgeführt haben – anhand der sich weit auseinander spreizenden Kurvenfahne; zu Deutsch: es ist ab einem gewissen Tag von heute an in die Zukunft gerechnet im Grunde so gut wie alles möglich…! Je näher an der Gegenwart, umso größer wird die Eintrittswahrscheinlichkeit und geringer die Schwankungsbreite.
 
Temperaturprognosen in ca. 1500 Metern Höhe sowie die täglichen Niederschlagsmengen für Dresden:

Quelle: wetterzentrale.de
 
Und das, was nun immer näher rückt, sind die allseits bekannten und ggf. gefürchteten „Eisheiligen“ zwischen dem 11. (Mamertus, für Norddeutschland) und dem 15. (Kalte Sophie, für Süddeutschland). Im vergangenen Jahr hinterließen vorgezogene Eisheilige Anfang Mai eine Spur der Spätfrost-Verwüstung in Sonderkultur-Regionen, wie den Weinbaugebieten der Pfalz oder den Obstbaum-Bereichen zum Beispiel in der Fränkischen Schweiz! Dieses (finanzielle) Trauma steckt dort vielen Landwirten noch in den Gliedern.
 
Niemand wünscht sich auch nur ansatzweise eine ähnliche Konstellation; obwohl es dieses Jahr schon allein deshalb nicht ganz so zerstörerisch wäre, weil die Vegetation wegen des lange recht kühlen Aprils deutlich weiter zurück ist als in jenem Frühsommer-April 2011. Dennoch ist erhebliche Vorsicht und ggf. Bereitschaft für kurzfristige regionale Schutzvorkehrungs-maßnahmen geboten! Hintergrund ist die vorhandene Wahrscheinlichkeit eines Polarlufteinbruches just mittenrein ins Muttertags-Wochenende 12./13.05.!
 
Nach einem Warmluftschub zuvor vom Mittelmeerraum befindet sich ausgerechnet Deutschland über die Eisheiligen mitten im Kampfgebiet der Jahreszeiten. Nach derzeitigem Stand der Computervorhersage-Modelle für Mitteleuropa (immerhin rund 20 an der Zahl) gerät dabei speziell die Nordhälfte Deutschlands am 12. Mai ins Fadenkreuz. Östlich der Elbe in Mecklenburg-Vorpommern und Teilen Brandenburgs sind sogar Graupelschauer drin; dafür droht im Wolkenmix und Wind kaum Nachtfrostgefahr.
 
Anders in windgeschützteren Senken und Ebenen in einem breiten Streifen von der sächsischen Lausitz über das Thüringer Becken, in Teilen von NRW rüber nach Belgien und Rheinland-Pfalz, zum Sonntag, den 13. Dann in Baden-Württemberg, Franken und im Alpenvorland! Hier muss in jeweils frühmorgens mit so genanntem Strahlungsfrost bis ca. einen Meter über Grund von minus 2 bis minus 6 Grad gerechnet werden! Dann wären Servatius und Bonifatius punktgenau aktiv geworden. Aber wie gesagt – es gibt nach wie vor ein nicht unerhebliches „Restrisiko“, von dem wir spätestens seit dem Atomunglück und nachfolgenden Tsunami in Japan wissen, dass es eben doch eintreten kann – in diesem Falle dann sogar als positives Ereignis...
 
Für den gerne auch als Wonnemonat deklarierten Mai lässt sich längerfristig bis zum ggf. verlängerten Wochenende ab Vatertag (Christi Himmelfahrt) nur so viel sagen: Es gibt berechtigte Hoffnungen auf längere, sonnenscheinreiche und sommerlich anmutende Witterungsphasen! Dies auch aus oben genannten Gründen, dass wir in und um Deutschland in diesen Wochen eher weniger zu westlichen kühl-wechselhaften Großwetterlagen neigen. Damit blieben als Alternativen Nordströmung (siehe Eisheilige), Südströmung (siehe Ende April) oder sogar Ostströmung; was immerhin das Verhältnis von 2:1 für freundliche und wärmebegünstigende Lagen hieße. Allerdings dürfte damit vor allem südlich des Mains die Beimischung von gewitterträchtiger Schwüle samt lokaler Unwettergefahr ebenfalls ansteigen.
 
Blitzschlagserie bei Leipzig Anfang Mai:

Quelle: Christian Schmidt, www.wzforum.de
 
Für präzisere Details ist und bleibt es ratsam, sich auf unseren Service-Seiten unter www.mr-wetter.de tagtäglich schlau zu machen…!

Unsere Serie: „Schon gewusst?! Wetterwissen - Teil 53“

Wetter Wissen Maschinenring

Friede, Freude – Frostgefahr?! Warum die Eisheiligen trotz globaler Erwärmung bleiben!
 
Da kann man beten, Hoffen, herbeireden, wie man will – der Mail ist einfach nicht von vorne herein zum Wonnemonat geeignet! Das liegt an mehreren Faktoren:
 
1.Die Meere Atlantik, Nord- und Ostsee haben als träge Massen großflächig niedrigen Oberflächentemperaturen. Daher kann der eigentlich hohe Sonnenstand mit potenzieller täglicher Sonnenscheindauer von 13 bis 15 Stunden die heran strömende (sub-)polare Luft bei entsprechender Wetterlage nur mit höchster Kraftanstrengung auf jahreszeitlich angemessenes Niveau erwärmen.
 
2.Die Neigung zu Großwetterlagen mit nördlicher Windrichtungskomponente über Zentraleuropa ist ausgerechnet im Mai übers Jahr gesehen am höchsten! Die zum Ausgleich verfügbaren Hochs bleiben zudem häufig eher über der Westhälfte Europas geparkt und unterstützen damit (weil die Luft darin im Uhrzeigersinn fließt) die Kaltlufteinbrüche – ob mit Schauern oder klarem Himmel samt Spätfrostrisiko.
 
3.Feuchter Boden erhöht in ungünstigen Lagen, also windgeschützten Ebenen, Bergtälern oder Senken in Hochebenen durch so genannte Verdunstungskälte in klaren Nächten die Wärmeabgabe ins Weltall. Damit sacken die Temperaturen in bodennahen Lichtschichten besonders flott ab und kompensieren die eigentlich zu kurzen Nächte!
 
Alles in unterschiedlichster Kombination trägt somit dazu bei, dass wir vor allem unter freizeittauglichen Aspekten eher vom Mai enttäuscht als entzückt werden. Auf der anderen Seite haben sich die Großwetterlagen im ersten Jahrzehnt seit dem Millennium „äußerst bemüht“, uns mit überdurchschnittlich viel freundlich-milden Phasen zu verwöhnen. Dies trügt zur fälschlichen Annahme bei, dass es nun und in Zukunft immer so sein müsste. Ein großer Irrtum – globale Erwärmung (siehe die neueste Langzeit-Temperaturkurve für Deutschland) hin oder her…!
 
Temperatur-Langzeitkurve Deutschland 1881-2011

Quelle: dwd.de
 
Betrachten wir also die möglichen Szenarien, wie das ja neudeutsch so schön heißt. Hier ein paar stichwortartige Thesen für unseren zukünftigen Mai der nächsten Jahre und vielleicht sogar Jahrzehnte:
 
1.Wenn Kälteeinbrüche erfolgen, werden sie auch in Zukunft rund um Deutschland herb, von vielen ungewollt und in ihrer Wirkung teilweise verheerend sein.
 
Tiefstwerte im April/Mai 1995 für Meiningen:

Quelle: wetteronline.de
 
2.Die so genannte Amplitude bei Wetterstürzen vorher warm oder extrem warm bis heiß hin zu kühl bis extrem kühl oder kalt werden noch weiter wachsen als in den vergangenen 30 bis 40 Jahren.
 
3.Was in den 70-erjahren als extrem warm galt (z.B. Maxima um oder etwas über 30 Grad), wird schon in naher Zukunft – sprich im laufenden Jahrzehnt - mehr und mehr zur Normalität.
 
4.Bei Hitzewellen werden mit ziemlicher Regelmäßigkeit neue Allzeit-Rekorde erreicht; siehe am 28.04. die 32,9 Grad. Zugleich können aber Kälterückfälle die Dimensionen wie vor 30 bis 50 Jahren annehmen, weil die Auskühlung im Winterquartal zuvor wie immer astronomisch-energetisch verläuft (Polarnacht bleibt Polarnacht!).
 
5.Wir werden ein zunehmend chaotisches und von Jahr zu Jahr unterschiedliches Eintreffen und Entwickeln des Frühjahrs erleben. So ist es oft schon im April frühsommerlich (vgl. 2011, 2009, 2007), eh dann die fortgeschrittene Vegetation im Blühstadium oder kurz danach trotzdem von Spätfrösten heimgesucht wird!
 
6.Das Eintreten der bisher teils über Jahrhunderte im Volksmund bekannten und erwarteten so genannten Singularitäten (Witterungstypen, die mit 70% und mehr Wahrscheinlichkeit in einem bestimmten Zeitfenster wiederkehren) werden wie auf einem Zeit-Relais hin und her geschoben, fallen teils aus oder werden gar ins totale Gegenteil verkehrt.
 
Das alles klingt ein wenig apokalyptisch, wie ein witterungsmäßiger Weltuntergang auf Raten – ist es aber nicht. Allerdings sind besonders wetterabhängige Branchen, wie nun mal die Landwirtschaft ernsthaft aufgefordert, kurzfristige Vorsorge-Schutzmaßnahmen bereit zu halten bzw. alternative Anbau-Strategien und/oder Sorten zu überdenken.
 
Relatives Eintreten eines Frosttags seit 1977 in Braunsroda, Burglandkreis (Sachsen-Anhalt):

Quelle: Dietmar Lange, wzforum.de
 
Die Zeiten, in denen man sich auf das ungefähre Eintreffen der Eisheiligen verlassen und danach planen konnte, scheinen nach derzeitigem Klimaforschungsstand zur Neige zu gehen. Die grimmigen Herrschaften – Mamatus, Pankratius, Servatius, Bonifatius und die Kalte Sophie könnten schon für unsere Kinder nur noch ein romantisch verklärtes Stück Vergangenheit werden, wie der Pflug vor dem Ross oder Rind. Wohl gemerkt: sie könnten! Vielleicht zeigen sie sich aber auch nur völlig unvorhersagbar; und wenn sie kommen, dann mit noch mehr Vehemenz als in der so genannten „guten alten Zeit“.
 
Nutzen Sie daher die verlässlichen Quellen aus dem Hier und Jetzt in Form unserer Seite unter www.mr-wetter.de. Da finden Sie alles, was das aktuelle Wetter anbelangt – Eisheilige hin oder her…

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