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MR Wetter Nachrichten vom 1. September 2010:
| Nach der Ernte ist vor der Ernte - Seitenblicke Richtung Wettereinflüsse… |
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Fassen wir zusammen: der August war in und um Deutschland alles andere als urlaubs-, ferien- und regional ebenso wenig landwirtschaftsfreundlich. Die simple Bilanz der Wetterstatistiker mit den drei Hauptparametern Temperatur, Niederschlag und Sonnenscheindauer im Vergleich zum langjährigen Mittel ergab: leicht unterkühlt, teilweise extreme Regenmengen (in Würzburg zum Beispiel 324 Prozent des Monatssolls!) und verbreitet zu wenig Sonnenschein. Was dies nach dem sehr spärlichen Frühjahr und der verrückten Hitzeperiode samt Trockenheit im Detail für die regionale Landwirtschaft bedeutet haben muss, braucht keines weiteren Kommentars. Nun gilt es, die Felder noch so weit es geht und Sinn macht abzuernten, Mais-, Rüben- und Kartoffelernten mit oft viel Optimismus positiv zu bilanzieren und dann nach vorne zu schauen. Klar, die Obst- und Weinbauern spielen in den nächsten Wochen noch eine Sonderrolle - dazu gibt es in diesem Newsletter an anderen Stellen genügend Gedankenspiele und Hintergrundinformationen! Nicht unerheblich und dennoch eher ein regionales Thema sind die Befahrbarkeiten der landwirtschaftlichen Böden und der Waldflächen für eventuelle Durchforstungen. Zuviel an Regen macht die Böden schwer und verdichtet sich bei schwerem Gerät ungemein sowie nachhaltig schädlich! Hier muss fast von Scholle zu Scholle neu und eigens entschieden werden - eine große Verantwortung und nur mit viel Erfahrung vor Ort schonend zu meistern. Hoffen wir also branchenübergreifend auf einigermaßen normale Witterungsverhältnisse quer durch Deutschland und den Herbst. Denn der goldene Mittelweg hat sich schon immer als der beste herausgestellt...
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Heißer Sommer - kalter Winter?! Wer`s glaubt, wird (nicht!) selig...
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Alle Jahre wieder versuchen sich selbst ernannte Wetterpropheten - in Boulevard-Zeitungen auch gerne als "Wetter-Bauern" bezeichnete Gestalten in einer langfristigen Prognose der jeweiligen Haupt-Jahreszeiten. So war es auch im Frühjahr, was die Qualität dieses Sommers anbelangt. Und was wurde da nicht alles vollmundig verkündet - von mega-heiß und trocken bis zum Totalausfall! Kaum einer wird sich die Mühe gemacht haben und die im Idealfall beigefügten Temperaturkurven für die Sommermonate ausgeschnitten und ans schwarze Brett daheim gehängt haben - oder doch?! Ich habe es jedenfalls getan - aus einem weit verbreiteten Massenblatt. Und mein Ergebnis beim Vergleich mit der eingetretenen Sommer-Realität ist unterm Strich derart unspektakulär, dass ich getrost selbst einen Versuch für den Winter 2010/11 wagen kann...! Also: Rein statistisch könnte man genauso würfeln und dabei definieren: gerade Zahlen sind ein heißer Sommer zuvor und ungerade ein eher feucht-kühler. Wenn darauf wieder eine gerade Zahl folgt, soll dies einen kalten Winter bedeuten; folgt eine ungerade Zahl, dann wird es ein eher milder Winter. Ohne gewürfelt zu haben, stellt sich beim Auswerten der Aufeinanderfolge von eher trocken-heißen Sommern und der angeknüpften jeweiligen Winter - Sie werden es fast erraten! - keine eindeutiger Zusammenhang heraus. Man könnte auch sagen: nach jeder Art von Sommer in Mitteleuropa folgt mit geradezu aufreizender Unberechenbarkeit nahezu jeder Art von Wintercharakter - von mild und schneearm über stürmisch-wechselhaft und nass bis hin zu klirrend kalt, teils schneereich und lang! Nun gibt es aber dennoch gewisse Zyklen der Wiederkehr und blockweisen erhöhten Neigung zum jeweils einen wie anderen Extrem hin. So hatten wir in den Siebziger-Jahren weit jenseits jeglicher Diskussion über globale Erwärmung etc. eine ganze Serie von außerordentlich milden Wintern. So gab es zum Beispiel im gesamten Winter 1974/75 im Raum München nur einen einzigen so genannten Eistag; also einen Tag, an dem die Temperatur komplett unter dem Gefrierpunkt bleibt. Und auch das gelang nur mit einem knappen Grad unter null! Zugleich waren die Sommer damals eher unauffällig - also weder extrem heiß noch sehr nass und kühl. Im Gegensatz dazu hatten wir beispielsweise in den Achtzigerjahren mehrere Winter mit extremer Kälte oder reichlicher Schnee hintereinander - ohne dass jeweils davor oder danach zahlreiche Hitzsommer in Erinnerung geblieben wären. Einzig markant: der Juli 1983 mit örtlich an die 40 Grad in Deutschland! Was also können wir aus dem seltsam gegesätzlichen Sommer 2010 mit einem Hitzeblock sondersgleichen von Ende Juni bis ins letzte Drittel des Julis schließen? Vor allem, weil die Wochen davor entweder deutlich zu kühl und teilweise niederschlagsreich oder danach im August weitgehend profillos durchwachsen waren. Außerdem waren die beiden vergangenen Winter durchaus charaktervoll - einmal mit regional viel Schnee und zuletzt sehr lang gezogen und kontinuierlich frostig. Es bleibt also kaum etwas anderes übrig, als irgendwelche Strohhalme der Großrechner-Daten weltweiter Klimazentren zu Rate zu ziehen. So gibt es ein US-amerikanisches Rechenzentrum (NOAA), das sich mit kontinent-weisen Abweichungen der monatlichen Lufttemperatur und Niederschlagsmengen vom langjährigen Mittelwert befasst. Nach deren Trends zum Stand Ende August (!) könnte in weiten Teilen Europas nach einem eher wechselhaften Oktober ein nass-kalter November, eine von Osten her zeitweise frostig-winterliche Adventszeit und danach ein eher unauffälliger Januar, zuletzt aber ein intensiv frostiger und trockener Februar folgen. Wohl gemerkt: könnte...
Niederschlag:
 Temperatur:
Mein Vorschlag: wir halten uns an weniger spekulativen Trends, die weitaus näher liegen und eine höhere Wahrscheinlichkeit haben, auch tatsächlich einzutreffen. Daher gleich im Anschluss ein kleiner Ausblick auf die erste Septemberhälfte; Stichwort: wird es nochmal sommerlich, oder gleich altweibersommerlich, oder keines von beidem?!
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Wettervorschau September: Sommer 2010 abgehakt oder geht doch noch was?!
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Nach einem Sommer, der uns so ziemlich alle Varianten an Wetterschocks in und um Deutschland verpasst hat, soll es das also schon wieder gewesen sein. Das denkwürdige Tief ERINA hat auch noch pünktlich zum Augustende eins drauf gesetzt und gleich mal den Winter bis in höhere Mittelgebirgslagen runter katapultiert! Anders kann man neue Minusrekorde auf den brocken im Harz mit knapp über null Grad, 70 Zentimeter Neuschnee über Nacht auf der Zugspitze und Matschflocken beim Passieren des Brenners an der Wetterscheide zum Mittelmeer-Sommer kaum bezeichnen. So mancher Urlauber könnte quasi an einem Tag ein ausgiebiges Bad in der lauwarmen Adria nehmen und nachmittags bei Innsbruck im knöcheltiefen Schnee auf der Axamer Litzum den Winter kosten.
 Webcam Kasern Ahrntal, 31.08.2010 Aber was soll's - ein dummer Spruch lautet: das deutsche Wetterjahr besteht aus sechs Monaten Winter und einem halben Jahr nass-kalter Witterung mit kurzzeitigen Hitzestörungen...! Frei nach dem Motto "Es kann nur besser werden!" müsste uns also der meteorologisch gesehen erste Herbstmonat September nochmal einige sonnigere und vor allem wärmere Passagen nachreichen. Dies sollte in Anbetracht des Kälteschocks zuletzt keine besondere Kunst sein. Und außerdem ist astronomisch gesehen der Herbstbeginn bekanntlich identisch mit der so genannten Tag-und-Nacht-Gleiche, also dem 22. September. Von den Mittelfrist-Modellrechnungen großer und anerkannter Klimazentren lässt sich zumindest für die nächsten gut zwei Wochen für Europa und damit auch Deutschland ein gewisser Trend erkennen; wobei ein Trend keine klare Vorgabe in die eine oder andere Richtung sein muss! Die Frage: "Wie wird die Witterung bei uns in der ersten Septemberhälfte?!" könnte salopp gekontert werden: "Fragen Sie doch Helmut!" damit ist beileibe nicht unser werter Altkanzler gemeint. es ist schlichtweg das so getaufte aktuelle neue Hoch! Es bläht sich in den Folgetagen mächtig auf und eiert im wahrsten Sinne des Wortes über weiten Teilen Europas umher. Dummerweise schaffen es offensichtlich auch die millionenschwersten Großrechner nicht, diesem Eiern eine nachaltige Position zuzuordnen; alle sechs Stunden sieht die Lage und Größe von Helmut nämlich wieder anders - sprich: mal eben um ein paar hundert Kilometer weiter oben, unten rechts oder links auf der Europa-Landkarte - aus. Und das hat vehemente Folgen! Kommt das Hoch nämlich eher im Norden zu Liegen, herrscht bei uns zwischen Spree und Oberrhein eher östliche Strömung und Richtung Alpen blubbern immer wieder mediterrane Schauer- oder Gewitterzonen; allerdings wenigstens dort in angenehm temperierter Luft. Ab der Maingegend wäre es dann richtig schön spätsommerlich und sonnig, nachts aber oft sehr frisch.
 Setzt sich Helmut dagegen weitgehend über Mitteleuropa fest, hätten wir alle einen traumhaften Spätsommer davon! Und zöge Helmut vor, mehr über den Britischen Inseln zu residieren, wäre das die ungünstigste, weil eher feucht-kühle und schauer-durchsetzte Variante - zumindest in der Osthälfte Deutschlands. Warum also dieses Spielchen "was wäre wenn"?! Weil 1. die grundsätzlich gute Chance auf ein derartiges Hoch in unseren Umfeld besteht! Und weil zweitens beim Wetter eben schon wenige hundert Kilometer auf große Kliamzonen bezogen einen himmelweiten Unterschied bei der Prognose ausmachen können. man sieht, Wettervorhersage ist und bleibt ein schwieriges (und für den Ausführenden meist undankbares) Geschäft... Ich empfehle daher für aktuelle, lokalere und kurzfristige Informationen unsere Service-Seite www.mr-wetter.de und ansonsten die über Jahrhunderte bewährte Einstellung zu diesem komplexen Thema: Man nehme es, wie es kommt...! In diesem Sinne einen guten Ausklang der landwirtschaftlichen Hauptsaison!
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| „Schon gewusst?! Wetterwissen - Teil 10“ |
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Thema: Immer wieder gern genommen - und erklärt: der Altweibersommer Nein, es handelt sich nicht um einen dritten Frühling der reiferen Generation. Und auch nicht um eine spezielle Biowetterlage für wetterempfindliche Menschen! Der so genannte "Altweibersommer" ist eine charakteristische Großwetterlage über Mitteleuropa, die meist dann stattfindet, wenn rein kalendarisch gar kein Sommer mehr ist - sondern astronomisch gesehen Herbst! Es handelt sich um eine jener mit schöner - und vor allem erwünschter - Regelmäßigkeit wiederkehrenden, stabilen und sonnenschein-reichen Hochs mitten über Deutschland oder knapp östlich davon. Im Meteorologen-Deutsch heißen diese Phänomene mit um die 70 Prozent Eintreff-Wahrscheinlichkeit auch "Singularitäten". Die Bezeichnung "Altweibersommer" rührt daher, dass im frühen Herbst, also häufig in der dritten Dekade, bei trocken-warmer Witterung viele Spinnen unterwegs sind. Sie weben ihre Netze aus hauchdünnen Fäden. In der tiefer stehenden Sonne bei zugleich klarer Luft sehen die frei schwebenden Fäden dann aus wie dünnes weißes Haar wie zum Beispiel bei alten Frauen.
 Warum diese september-typische Großwetterlage gerade über dem zentralen Europa gehäuft auftritt, lässt sich relativ leicht erklären: Um diese Jahreszeit haben die umgebenden Meere (Atlantik, Nord- und Ostsee, Mittelmeer) meist noch viel Wärme im oberflächennahen Wasser gespeichert. Zugleich kühlt aber der Kontinent durch den zügig abnehmenden Sonnenstand und damit weniger Wärmenachschub Tag für Tag weiter aus. Damit braucht das starke Naturgesetz, dass alles nach Ausgleich strebt, nicht mehr großräumig in der Wetter-Atmosphäre zur Anwendung zu kommen. Es stellt sich eine Art stabiles Unentschieden bei uns ein. Damit ist die Neigung zu mehr Hoch als Tiefs über einen längeren Zeitraum in unseren Breitengraden über einen längeren Zeitraum am höchsten. Und raus kommt dabei: der Altweibersommer. Ob auch in diesem Jahr, dazu ein paar spekulative Gedanken hier in diesem Newsletter in einem eigenen Kapitel - und natürlich tagtäglich mit neuestem Trend unter www.mr-wetter.de!
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Unsere neue Serie: „Schon gewusst?! Wetterwissen - Teil 09“
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Thema: Das Christkind und die kleine Schwester – zwei Phänomene mit globaler Wirkung!
Diesmal wird es ziemlich kompliziert; es sei dennoch aus aktuellem Anlass gewagt für alle, die es interessiert. Es geht um das Phänomen el niño und la niña! Diese so genannte Klimaanomalie bekam ihren Namen von den stark betroffenen peruanischen Fischern, die sie als erstes wahrgenommen haben. Sie Sie nannten das Phänomen in sarkastischer Weise "El niño", was auf Spanisch "Christkind" oder "Knabe" heißt, da el niño um die Weihnachtszeit am stärksten ist. El niño verursacht unzählige Naturkatastrophen und bringt insofern Peru wenig Gutes. Diese natürliche Klimaanomalie ist aber nicht von uns Menschen gemacht, denn sie treibt ihr Unheil wahrscheinlich schon seit etlichen Jahrhunderten. Seit der Entdeckung Amerikas vor über 500 Jahren durch die Spanier sind el niño- typische- Ereignisse durch schriftliche Überlieferungen bekannt. Wir Menschen interessieren uns hingegen erst seit 150 Jahren genauer dafür, denn seit dieser Zeit wird el niño bewusst wahrgenommen. Wir Menschen mit unserer modernen Zivilisation können dieses Phänomen zwar unterstützen, es aber nicht auslösen. So wird vermutet, dass el niño durch den Treibhauseffekt (verstärkter Ausstoß von Kohlendioxid) in kürzeren Abständen und intensiver auftritt. El niño wird jedoch erst seit einigen Jahrzehnten intensiv erforscht, so dass noch etliches unaufgeklärt ist. El niño und die Southern Oscillation, die Südliche Oszillation (zusammen ENSO) beschreiben ein komplex gekoppeltes Zirkulationssystem von Atmosphäre und Ozean im Pazifik. El niño steht dabei eher für die ozeanischen Zusammenhänge, während die Südliche Oszillation bzw. für die atmosphärischen Zusammenhänge steht. Während der Zeit, wo ENSO im Bereich des tropischen Pazifiks wirkt, gibt es viele übergreifende Wetter- und Strömungsauswirkungen nach Norden und Süden. Die Schwankungen des Indischen Monsuns (Passatwinde vom Meer, die viel Regen bringen!) oder der Hurrikanhäufigkeit in Mittel- und Nordamerika werden mit ENSO eng in Verbindung gebracht.
 Gegensätze von Warm/Kalt im Oberflächenasser des Pazifiks und der Windströmungen in der Atmosphäre darüber beim Auftreten von el niño und la niña; Quelle: NOAA, Univ. of Washington ENSO besitzt drei Phasen: el niño ist dabei die bekannteste. Daneben gibt es noch den „normalen“ Zustand von Ozean und Atmosphäre sowie la niña, welches das Gegenstück zum el niño ist. Während der Normalphase schiebt die pazifische Zirkulation warmes Oberflächenwasser nach Westen. Kaltes Tiefenwasser wird an der Küste Südamerikas nach oben gespült. In der el-niño-Phase bewirkt das Absinken der unterschiedlich temperierten Wasserschichten eine Erwärmung des Oberflächenwassers vor der Küste Südamerikas in Form einer sogenannten „Warmwasserzunge“. Während der la-niña-Phase. Durch eine besonders stark ausgeprägte Zirkulation ist der östliche Pazifik vor Südamerika besonders kühl. Derzeit haben wir wieder einmal ein derartiges „la niña-Ereignis“! Bei einem la niña- Ereignis kann man generell sagen, dass die typischen Klimaverhältnisse einer Region noch verstärkt werden. In Südostasien bedeutete dies bereits, dass gewohnt heftige Regenfälle für Überschwemmungen und Erdrutsche sorgen. Pakistan und Teile Chinas sind aktuell drastische Beispiele dafür! Um den Jahreswechsel 1997/98 hatte ebenfalls bei einem la nina-Ereignis die lang anhaltende Trockenheit in Indonesien für verheerende Waldbrände gesorgt, von denen sich als Folge eine gewaltige Smogwolke bildete.
 Grafik zum Auftreten von el nino und la nina seit 1950; Quelle elnino.info Direkt reichen diese riesigen Abweichungen im Ozeanwasser und in der Wetter-Atmosphäre zwar nicht bis zu uns; indirekt kann es aber gut sein, dass die Extreme der Juli-Hitze und danach wiederholten Überschwemmungen eine Art schwaches Wetter-Echo quasi von der anderen Seite unseres Planeten sind. Wir dürfen nicht vergessen. Alles hängt miteinander zusammen, auch wenn es auf den ersten Blick nicht so scheinen mag…
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| Unsere neue Serie: „Schon gewusst?! Wetterwissen - Teil 08“ |
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Thema: Blick über den Tellerrand – Hundstage 2010, diesmal auf russische Art! Während in Deutschland die Urlauber-Heimreisewellen von Süd nach Nord schwappen – ausgenommen Bayern und Baden-Württemberg – und man sich ernüchtert-widerwillig dem eher typische deutschen Sommerspektrum zuwendet, herrscht weit weg von uns eine Hitzewelle, die es in sich hat! Nein, es ist weder Spanien, noch Griechenland oder die Türkei gemeint. Für viele eher laienhafte Weltklima-Beobachter findet sie seit Wochen in einer Region statt, die allein schon die Fläche von Westeuropa locker toppt; und es ist genau dort, wo der Volksmund immer die sibirische Winterkälte und den gefürchteten Ostwind lokalisiert: in weiten Teilen Westrusslands bis zum Ural und runter bis ans Schwarze Meer und ans (weitaus weniger bekannte) Kaspische Meer! Und hier einige Details: Moskau hat zum zweiten Mal innerhalb einer Woche einen absoluten Hitzerekord seit Beginn der Wetteraufzeichnungen vor 130 Jahren aufgestellt und den alten Höchstwerte anno 1920 geknackt: Am Donnerstag, den 29. wurden 38,2 Grad Celsius gemessen, etwas mehr als am Montag, den 26. Juli! Es ist in Westrussland mittlerweile auch insgesamt gesehen der heißeste Juli seit Beginn der Wetteraufzeichnungen vor 160 Jahren. Der Großteil der Weizenernte ist vertrocknet. Südlich der Hauptstadt wurden Spitzentemperaturen von über 40 Grad gemessen, nahe der Grenze zur Ukraine in der Region am Fluss Don sogar 41,6 Grad! Über 65000 ha Wald stehen in Flammen, bisher starben rund 2500 Menschen bei Badeunfällen – oft war leider weit verbreiteter übermäßiger Vodka-Genuss daran maßgeblich beteiligt.
 Bildquelle: wetteronline.de In Verhnij Baskuncak (ca. 200 Meilen NW vom Kaspischen Meer, ungefähr auf der Höhe von Wien) wurden am 11.07. 44 Grad und am 28.07. 43 Grad gemessen! Die Heißluftzunge reichte sogar bis in eine Region, die nicht gerade für tropische Temperaturen im Freien bekannt ist; sie liegt im Bereich der mittelfinnischen Seenplatte und der nördlich angrenzenden Region um den Polarkreis. Bis fast 38 Grad stiegen am 29. Juli die Temperaturen in Joensuu in Südostfinnland, ca. 400 Kilometer nordöstlich von Helsinki! In der gesamten Region waren Temperaturen über 35 Grad an der Tagesordnung. Dabei dürften die gefühlten Temperaturen bei großer Schwüle aber deutlich höher bei etwa 40 Grad gelegen und damit der berühmten „Finnischen Sauna“ selbst im Freien alle Ehre gemacht haben… Hintergrund dieser denkwürdigen und großflächig in die Aufzeichnungsbücher der Wetterstatistiker eingehenden Großwetterlage ist die enorme Stabilität und Ausprägung der Heißluft. Über den kontinentalen Flächen fehlt zum Einen eine abkühlende Meeresfläche weit jenseits des Schwarzen und Kaspischen Meeres weiter im Norden. Zugleich sind dort die Tageslängen noch recht nahe am sommerlichen Maximum. Richtung Polarkreis scheint bekanntlich die Sonne um diese Jahreszeit noch einige Stunden länger als in unseren Breitengraden! Kein Wunder also, wenn mangels Feuchtigkeit für abkühlende Regenfronten oder Tiefs die Landschaften im großen Stil Tag für Tag ausgedörrter werden. Hierbei entsteht ein Teufelskreis: Je mehr die Sonne aufheizt, umso weniger kann es jeweils nachts abkühlen; je mehr aus den Böden die Feuchtigkeit schlichtweg verdunstet wird, umso weniger nächtliche Verdunstungskälte kann einen energetischen Ausgleich zur Aufheizung am Tage liefern. Und je häufiger Wald- und Torfbrände entstehen, die die Luft mangels Windaustausch weitreichend mit Rauchpartikeln „schwängern“, umso dunstig-stickiger wird es in Bodennähe! Dies verhindert ebenfalls die nächtliche Wärmeabstrahlung in den Weltraum- ausgerechnet in den eh schon überhitzten und versiegelten Großstädten besonders stark. Beispielhaft für die Größenordnung dieses Extrem-Ereignisses ist die Abbildung der weltweiten Temperaturen für 14 Uhr MESZ. Hier ist zu sehen, dass es auf der Nordhalbkugel nirgends sonst so heiß ist, wie von Arabien her mit einer breiten Zunge über das Schwarze Meer, die Ukraine und Westrussland fast bis rauf zum Polarkreis! Und ein Ende dieser Konstellation ist laut aller bedeutsamen Wetterdienste bis weit in den August nicht in Sicht… Temperatur in 2m Höhe in Grad Celsius  Bildquelle: WEATHER365
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Unsere Serie: „Schon gewusst?! Wetterwissen - Teil 07“
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Thema: Von wegen viel Wind um nichts – die Wahrheit über Tornados in Deutschland
„Umkehren, wenden, wirbeln, drechseln“ auf Spanisch, Großtrombe, Wind- oder Wasserhose, in den USA umgangssprachlich auch Twister – all das steht für Tornado. Dabei handelt es sich rein wissenschaftlich um einen kleinräumigen Luftwirbel in der Erdatmosphäre, der eine annähernd senkrechte Drehachse aufweist und im Zusammenhang aufsteigenden Haufenwolken (Cumulus) und amboßartigen Gewitterwolken (Cumulonimbus) steht. Der rüsselartige Wirbel erstreckt sich dabei bei durchgehend vom Boden bis zur Wolkenuntergrenze. Er ist umso mehr zu erkennen, je stärker er ist und je mehr Material oder Wasser er nach oben saugt. Auf manchen großen Freiflächen sieht man in trockener Hitze dagegen so genannte Kleintromben, auch Staubteufel genannt. Wind- und Wasserhosen bezeichnen im deutschen Sprachraum eine Großtrombe (Tornado im weiteren Sinne) über Land oder größeren Wasserflächen (Meer, große Binnenseen). Windhose ist dabei ein Synonym für einen Tornado im engeren Sinne, also über Land. So – ist nun die Verwirrung perfekt? Keine Bange, dann geht es Ihnen wie vielen laienhaften wetterinteressierten – von manchen, eigentlich zur Belesenheit verpflichteten Boulevard-Journalisten ganz zu schweigen. Wie dem auch sei – es gibt verschiedene Stärkestufen von F0 bis F5, die Windgeschwindigkeit und Zerstörungspotenzial definieren. In Deutschland werden im Schnitt etwa 10 echte Tornados pro Jahr beobachtet, in den USA 1000 bis 1200. Diese sind aber von völlig anderem Kaliber als hierzulande!
Tornado in Micheln am 23. Juni 2004; Quelle: Alexander Hildebrand Das große Problem bei Tornados ist, dass man sie im Grunde erst maximal eine Stunde vor ihrer konkreten Entstehung entlang einer Gewitterwalze regional vermuten und dann gegebenenfalls per Medienwarnung ankündigen kann. Die landläufige Meinung, Tornados hätte es früher kaum gegeben, ist übrigen schlichtweg falsch. Früher gab es nur wesentlich weniger technische Möglichkeiten der Nachrichtenverbreitung, ein geringeres öffentliches Interesse an derlei Wetterphänomenen und auch viel weniger „Gewitterjäger“, die sich ihr Vorbild bei den nordamerikanischen storm chasern genommen haben und bei Beobachtung vor Ort gleich den nächstbesten Radio- oder TV-Sender informieren. Allerdings sind versierte Klimaforscher durchaus der Ansicht, dass im Zuge des Klimawandels und er globalen Erwärmung das Risiko zur Entstehung von stärkeren Tornados entlang von Unwetterfronten zwischen heißer und kälterer Luft auch in und um Deutschland zunehmen wird.
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Unsere Serie: „Schon gewusst?! Wetterwissen - Teil 06“
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Eitel Sonnenschein?! Die unsichtbaren Tücken der heißen Urlaubshochs Da sage noch einer, der deutsche Sommer tauge nichts mehr! Doch wenn die brütende Hitze selbst die hartnäckigsten Sonnenanbeter zumindest in den Halbschatten unter Laubkronen oder in überschirmte Biergärten treibt, dann wird es grenzwertig. Und bei aller Liebe für frische Bräune – kein Tier legt sich in der heißesten Phase des Tages volle Breitseite in die pralle Sonne. An dieser Stelle soll auch nicht wieder an den Freuden der sonnigen und hierzulande eh äußerst limitierten Badewetterzeiten herumgenörgelt werden. Dennoch gibt es ein paar Phänomene, die mangels Wahrnehmbarkeit mit unseren fünf Sinnen entweder ignoriert oder landläufig falsch umschrieben oder gar gedeutet werden: Ganz zentral gehörig in diese Gruppe das so genannte Ozon. Wir haben es seit vielen Jahren zum Einen als Ozon-Loch im Hinterkopf; aber das ist für die meisten eh weit weg, ganz hoch oben in der irdischen Atmosphäre und gerüchteweise wieder am Abnehmen – wegen der verbotenen FCKW-Kühlmittel für Kühlschränke – Sie wissen schon… Zum anderen allerdings nerven so manche Hörfunksender ausgerechnet an den tollsten Hochsommertagen in geradezu monoton-amtlicher Verlautbarung, wegen der erhöhten Ozonwerte „größere Anstrengungen zu vermeiden und die Autofahrten auf das Notwendigste zu begrenzen“. Eigentlich in sich schon widersprüchlich; denn wer bitte läuft ausgerechnet über Mittag zu körperlicher Höchstform auf, wenn es bei praller Sonne und sogar im Schatten 30 Grad über dem Asphalt vor lauter Bullenhitze flimmert?! Dennoch muss dieser Hinweis gegeben werden, da es sich bei diesem so genannten „Sommer-Smog“ um ein flüchtiges und geruchloses Reizgas handelt, das tief in die Lunge eindringt und Entzündungen hervorrufen kann. Je nach Dauer der Belastung und der Konzentration gibt es bei empfindlichen Menschen gesundheitliche Auswirkungen wie: Husten, Augenreizung, Kopfschmerzen und sogar Lungenfunktionsstörungen.
Dieses nur bei viel Sonne, großer Hitze und allenfalls leichtem Wind entstehende Ozon braucht für die chemische Reaktion aus Sauerstoff zusätzlich die emittierten Abgase (Stickoxide) von vielen Autos in der unmittelbaren Umgebung. In dem Moment, wo entweder mehr Wind aufkommt und die Luft durchmischt, oder Wolken die Sonne verdecken oder es schlichtweg Abend wird, kehrt sich die Reaktion um und das Ozon löst sich in Wohlgefallen auf! Kurioser Weise und sind daher ausgerechnet Freizeitgelände in Parks oder an Baggerseen nahe mehrspuriger Ringstraßen oder Autobahnen besonders anfällig für erhöhte Ozonkonzentrationen zwischen 11 und 17 Uhr. Was also tun? Ganz einfach: nichts übertreiben, in großer Hitze so oder eine ruhige Kugel schieben, Autofahrten unterlassen und – den Sommer genießen; vor allem, wenn er zufällig aufs Wochenende und/oder Urlaubstage fällt…! Probieren Sie doch einfach mal die Hinweise aus dem Abschnitt „Tipps für heiße Tage“ aus. Ob wir auch in den kommenden Tagen mit sommersmogträchtigen Wetterlagen rechnen sollten weitergeht, erfahren Sie rund um die Uhr auf www.mr-wetter.de.
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Unsere neue Serie: „Schon gewusst?! Wetterwissen - Teil 05“
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Thema: der Siebenschläfertag – Aberglaube oder handfeste Wetterregel?! Alle Jahre wieder, wenn sich der oftmals doch ernüchternd wechselhafte und teilweise unterkühlte Juni (siehe auch wieder 2010!) seinem Ende zuneigt, hört man aus den unterschiedlichsten Ecken – teils scheu hinter vorgehaltener Hand, teils ganz offen und lautstark im Gespräch – den Begriff „Siebenschläfer“. Ganz abgesehen davon, dass sich um diesen Namen eine historische Legende rankt, auf die hier nicht näher eingegangen werden soll, hat dieser so genannte „Lostag“ seit Jahrhunderten seinen festen Platz unter den zahlreichen Bauernregeln im deutschsprachigen Raum zwischen Kiel und Bozen. Warum? Es ist nicht nur die mündliche Überlieferung von Generation zu Generation, die den Siebenschläfer am 27. Juni für die Prognose des weiteren Witterungscharakters und damit des eigentlichen Sommers geradezu schicksalhaft festzunageln versucht! Diverse Wetter- und Klimaforscher haben statistische Auswertungen der Großwetterlagen über lange Zeiträume vorgenommen, ob und in wie weit um diesen Termin tatsächlich „entschieden wird“, wohin die Sommerreise geht. Das Ergebnis ist erstaunlich: in rund 70% der Fälle kann man von der Witterung zwischen der letzten Juni- und ersten Juliwoche auf den weiteren Verlauf des mitteleuropäischen Sommers bis in den August hinein relativ verlässliche Schlüsse ziehen! Dies liegt vor allem daran, dass sich bis Ende Juni/Anfang Juli die Gegensätze der Festlands- und Meeresoberflächentemperaturen oftmals angeglichen haben. Damit stabilisiert sich auch die Großwetterlage. Will heißen: hat sich der Juni in Sachen Tiefs und Kälte-Ausgleich aus Norden „ausgetobt“, darf nun auch mal für länger das Azorenhoch oder die teils schwül-heiße Mittelmeerluft aus Süden ran! Das gleiche Spielchen steht also auch in diesen Tagen an. Machen Sie sich also am besten selbst die Mühe und notieren Sie den Witterungsverlauf der letzten Juni- und ersten Juliwoche bei Ihnen vor Ort. Wenn Sie es nicht abwarten können, wie es demnächst wird, schauen Sie in unsere MR-Wetterseite unter www.mr-wetter.de!
- Wie das Wetter am Siebenschläfer sich verhält, ist es sieben Wochen lang bestellt.
- - Wenn’s am Siebenschläfer regnet, sind wir sieben Wochen mit Regen gesegnet.
- - Das Wetter am Siebenschläfertag sieben Wochen bleiben mag.
- - Wie’s Wetter am Siebenschläfertag, so der Juli werden mag.
- - Wenn die Siebenschläfer Regen kochen, dann regnet’s ganze sieben Wochen.
- - Ist der Siebenschläfer nass, regnet’s ohne Unterlass.
- - Regnet’s am Siebenschläfertag, der Regen sieben Wochen nicht weichen mag.
- - Werden die sieben Schläfer nass, regnet's noch lange Fass um Fass.
- - Der Siebenschläferregen, der bringt dem Lande keinen Segen.
- - Siebenschläfer Regen - sieben Wochen Regen.
- - Scheint am Siebenschläfer Sonne, gibt es sieben Wochen Wonne.
Die große Frage lautet also : Wird doch noch etwas aus diesem eher verkorksten Frühsommerversuch hin zu einem klassischen Hochsommer – zumindest blockweise, wie wir ihn in unseren selektiven Kindheitserinnerungen frei nach dem Motto „früher war alles besser“ in uns tragen? Ganz ehrlich und trotz aller multimedial verfügbaren (Computer)Vorhersagemodelle: ich persönlich weiß es auch nicht! Und bei naturwissenschaftlichen Aussagen sollte ja bekanntlich der Wunsch nicht der Vater des Gedankens sein. Halten wir es passender Weise mit der Binsenweisheit unseres „Fussball-Kaisers“: Schaumermal…
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Unsere neue Serie: „Schon gewusst?! Wetterwissen - Teil 04“
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Thema: Global zu warm und hier zu kalt – warum die Wahrheit im Widerspruch liegt. Seit Januar kommen die eifrigen Wetterdaten-Statistiker für weite Teile Mitteleuropas und speziell Deutschland häufig zum Fazit: verglichen mit dem langjährigen Durchschnitt (30 Jahre) fast immer zu kalt! Das alleine wäre mit Blick auf über 230 Jahre Temperaturmessung beileibe nicht außergewöhnlich. Die Klimakurve verläuft mit ausgesprochen zackigem Auf und Ab; und plausible Erklärungen für wiederkehrende Zyklen oder gar Prognosen positiver wie negativer Abweichungen der Monats- oder Jahresmitteltemperaturen gibt es nur wenige. Oft genug sind sie hart an der Grenze zu fixen Ideen oder herbei gerechneten Deutungsversuchen.
Kopfschütteln und Rätselraten erzeugen allerdings mit schöner Regelmäßigkeit auftauchende Meldungen, dass 2010 zum wiederholten Male weltweit gesehen zu warme Monate liefert! So kann sich die landläufige Bevölkerung einfach keinen Reim darauf machen, wieso dann sogar noch im Mai immer wieder die Heizung angeschaltet werden musste und mangels Wärme und Sonnenschein die Spargelsaison nur stotternd in Gang kam – vom hohen Preisniveau ganz zu schweigen. Das ist eben die Krux, zum einen Wetter und Klima in einen Topf zu werfen und zum anderen Witterungsphasen nur von der eigenen Scholle aus einzuordnen. Kaum ein anderes weltweites Phänomen ist derart örtlich wie zeitlich gegensätzlich und dennoch total miteinander vernetzt wie die atmosphärischen Vorgänge auf unserem Planeten, kurz: das Wetter! Der weitere Pferdefuß ist die Manie der Statistik, aus allen noch so extremen Einzelwerten ein Mittel zu bilden und als Maßstab für Trends zu erheben. So geht praktisch die „tägliche Wetterwahrheit“ im Monatsmittel völlig unter und hinterlässt einen wenig aussagekräftigen plattgerechneten Sammelwert. Doch damit nicht genug: Rund um den Erdball werden auf diese Weise abertausende Einzeldaten zu Bilanz-Punkten auf einem riesigen globalen Gitternetz umgemodelt. Einerseits fundamental für Klimaforscher, anderseits ein Eldorado für sensationsgierige Medien-Multiplikatoren. So stimmt es wohl, das global (!) gesehen 2010 bislang eine Serie von zu warmen Monaten abgeliefert hat; schaut man jedoch genauer hin, entpuppt sich die bis zur Unkenntlichkeit vergröberte Schlagzeile als zu oberflächlich. Die zu kalt ausgefallenen Regionen können nur die vielen zu warmen Bereiche bei weitem nicht ausgleichen. Dabei sitzen offensichtlich gerade wir in Mitteleuropa in diesem Jahr in einer Art feucht-kühlen „Großwetterlagen-Falle“. Ob dies so weitergeht, bleibt abzuwarten. Am besten, Sie machen sich regelmäßig über unsere Service-Seite www.mr-wetter.de Ihr eigenes Bild.
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Unsere neue Serie: „Schon gewusst?! Wetterwissen - Teil 03“
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Hochdruckbrücke, Trog, Kaltluftschüssel – das sind keine Spezialgeräte aus dem Straßenbau, sondern Fach-Chinesisch jener Wetterfrösche, die sich über das hoch kompliziere Studium der Mathematik und Physik auf die Meteorologie gestürzt haben. Doch damit nicht genug: innerhalb davon gibt es ein noch exotischeren Bereich der so genannten „Synoptik“. Sie ist ein Teilgebiet der Meteorologie und bedeutet so viel wie „Gesamtschau, Zusammenschau“, die sich mit der Untersuchung des Wetters und seinen Änderungen, mit dessen Darstellung sowie mit dessen Vorhersage beschäftigt. Um diese „Zusammenschau“ zu ermöglichen, ist ein System aus Beobachtungsstationen nötig, die gleichzeitig Wetterbeobachtungen nach einem einheitlichen Verfahren durchführen. Dazu gibt es derzeit weitweit ca. 10.500 Bodenbeobachtungsstationen, die Daten von der Erdoberfläche sammeln und rund 1000 aerologische Beobachtungsstationen die Daten aus bis zu 30 km Höhe für die dreidimensionale Betrachtung des Wetters liefern. Zusätzlich werden Daten von mobilen Messstationen wie Schiffen, Bojen oder Flugzeugen mit einbezogen. Weitere Datenquellen sind Wettersatelliten und Fernerkundungssysteme (wie Wetterradar, Blitzortungssysteme. Die von den Stationen gemessenen Parameter sind unter anderem: Luftdruck, Luftdruckänderung während der letzten drei Stunden, Lufttemperatur, Windrichtung, Windgeschwindigkeit, Taupunkt (ab welcher Temperatur sich Tau bildet), Wolkenart, Höhe der Wolkenuntergrenze, Bedeckungsgrad, Sichtweite, Niederschlagsmenge und -art. Der daraus ermittelte Wetterzustand zu einem gegebenen Zeitpunkt wird in Wetterkarten eingetragen. In z.B. der Bodenwetterkarte werden dann Linien gleichen Druckes (Isobaren), und Fronten eingezeichnet. Früher geschah dies per Hand, heute macht das der Computer. Mit ihm können sämtliche Daten zielgruppengerecht aufbereitet und visualisiert werden. Mit Hilfe der in Wetterkarten eingetragenen Daten werden die Wetterverhältnisse analysiert. Grundlage für die eigentliche Wettervorhersage in den Medien oder speziell für Wirtschaft und Industrie sind verschiedene Computer-Vorhersagemodelle. Jenseits der grafischen Ergebnisse entscheidet aber im Zweifelsfalle noch immer der erfahrene Meteorologie in der oben erwähnten Zusammenschau, was sich wann und wo wie entwickelt und im besten Falle für Sie persönlich vor Ort die richtige Prognose darstellt…!
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Unsere neue Serie: „Schon gewusst?! Wetterwissen - Teil 02“
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Wie oben erwähnt, bereitet die Großwetterlage in diesen Tagen speziell den Wetterfröschen Probleme, wenn es um präzise Angaben zu Zeitpunkt, Andauer und Örtlichkeit von Regen oder Sonnenschein geht. Der Grund liegt in der relativ windschwachen „Wetter-Etage“ zwischen 3000 und 5500 Metern Höhe. Dort wandern, oder besser: eiern immer wieder Tiefs von Großbritannien übers westliche Mittelmeer und dann weiter über die Alpen zu uns nach Deutschland. Mit der unterkühlten Luft aus dem hohen Norden werden aus dem Wasserdampf in der erwärmten Mittelmeerluft teilweise intensive Regengebiete. Zugleich ist es in höheren Luftschichten ziemlich kalt. Man nennt dies einen so genannten „Kaltlufttropfen“.
Die vertikale Temperaturabnahme von Erdboden bis in etwa 5 Kilometern Höhe zeigt an, dass es ausgesprochen labil, also unberechenbar zugeht! So können nach anfänglichem Sonnenschein wie aus dem Nichts Quellwolken und dann teils heftige Schauer oder Gewitter entstehen. Aus dem Weltraum sieht das wie ein weißer Flickenteppich oder Streuselkuchen aus. Vergleichen Sie mal die täglich viermal aktualisierten so genannten Modellläufe auf www.mr-wetter.de. Da sind beim Niederschlag zum Teil innerhalb von 6 Stunden je nach Region Unterschiede von mehreren Litern pro Quadratmeter berechnet. Das liegt an den jeweils neuen und sich laufend veränderten Eingangsdaten. Wenn Sie also das Wetter nur einmal am Tag abrufen, bekommen Sie nur eine Momentaufnahme für den gewünschten Standort. Sie basiert auf den aktuell letzten Berechnungslauf des Wettermodells. Das kann sich aber bei der aktuellen Wetterlage 6-stündig ändern! Es ist daher empfehlenswert, in solch kniffligen Wetterphasen jeweils am Morgen, vielleicht auch mittags und dann nochmal am Abend das Wetter abzurufen.
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Unsere neue Serie: „Schon gewusst?! Wetterwissen - Teil 01“
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Wenn etwas beim Wetter in ähnlicher Zeit und ähnlicher Weise in 7 von 10 Fällen vorkommt, nennt das der Klimastatistiker „Singularität“. Das sind zum Beispiel die wohl bekannten „Eisheiligen“. Sie stehen in jedem Bauern- und Wetterkalender seit alters her. Im Grunde sind es vier Gesellen, weil man Mammertus am 11. Mai vorweg für den Norden Deutschlands schon einbezieht und die Kalte Sophie am 15. im Süden hinterher schiebt. Warum? Weil die Kälteeinbrüche bekanntlich aus nördlichen Breiten kommen und daher zuerst im Norden wirksam werden. Zuletzt sind dann der Süden Bayerns und Baden Württembergs sowie die Alpen dran. Zwei Fehler sollte niemand machen: 1. zu glauben, die Eisheiligen kämen jedes Jahr und 2. sie kämen immer vom 11. bis zum 15. Mai! Das hat sich – vermutlich auch wegen der generellen Klimaänderungen – in den vergangenen 30 bis 40 Jahren deutlich gewandelt. Seit dem sind die Eisheiligen eher seltener und oft sanftmütiger geworden; und wenn sie per Großwetterlage doch kommen, dann häufig 5 bis 10 Tage früher, als kalendarisch vorgesehen. Das ist regional nur dann von Vorteil, wenn die Vegetation, so wie ausnahmsweise dieses Jahr, um ein paar Wochen hinterher hinkt. Hier sind die Blüten (noch) nicht so spätfrostgefährdet. Auf der anderen Seite droht mit jeder verfrühten Woche Eisheilige ein größeres Risiko für Nass-Schneefälle in den Alpen und/oder Mittelgebirgen bis in höhere Tallagen. Kommt zum Beispiel eine so genannte „V-b-Lage“ hinzu, also ein Genua-Tief, das seine Zugbahn quer über die Alpen nordostwärts nimmt und zu Dauer-Niederschlägen führt – dann ist sogar mitten ins frische Grün Schneebruch möglich! Brandaktuell übrigens: die Eisheiligen sind diesmal ausgesprochen früh dran; voraussichtlich gleich in der ersten Maiwoche! Und: auch das erwähnte Genua-Tief liegt im Bereich des Möglichen…
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